Pflanzenschäden erkennen und richtig zuordnen - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.
Gloriosa superba L.

Pflanzenschäden erkennen und richtig zuordnen

© Udo Stock e.K.

Wenn Pflanzen schreien könnten !
Heute habe ich mir ein Thema ausgesucht, das nicht ganz so einfach von mir dargestellt und beantworten werden kann, wie man sich das gerne wünschen würde. Pflanzenschäden, bei der Innenraumbegrünung in Hydrokultur, wie sie häufig zu sehen sind, können oftmals mehrere Ursachen haben. So stützen sich die hier nachfolgenden Aussagen in allererster Linie, liebe Hydrokulturfreunde und Raumbegrüner, auf Beobachtungen meiner eigenen langjährigen Objekt- und Raumbegrünungserfahrung mit Hydrokulturen.

Das Foto zeigt uns eine Beaucarnea recurvata wie sie vor sich hinvegetiert, von Leben kann hier kaum noch eine Rede sein. Woran leidet sie, fragte mich vor einiger Zeit ein Raumbegrüner. Meine Antwort war: „Was für eine Frage, ihr ist der Schuh zu klein geworden !“ Natürlich reicht diese Antwort nicht aus, aber was ist damit gemeint. Beginnen wir mit der Antwort an dem Punkt, wo sich unsere Beaucarnea noch im Hydrokultur Großgefäß befindet und nur die Pflanze zu sehen ist mit ihrem dicken Fuß. Der Wurzelbereich selbst ist noch verdeckt vom Tongranulat. Zu diesem Zeitpunkt kann nur erkannt werden, dass ihre Blätter sehr hell geworden sind und schlaff nach unten hängen. Beim ersten Hinsehen wird an den sehr hellen Blättern ein Ernährungsmangel vermutet. Ernährungsmangel, aber wodurch?

Neue Austriebe werden schwarz und sind faul. Wurde hier vielleicht der Nährlösungsstand Optimum des Öfteren überschritten oder fehlten Düngegaben ?

Will man der Sache auf den Grund gehen, ist ein Austopfen der Pflanze unerlässlich. Was man jetzt vorfindet verstockt einem den Atem und fällt gleichzeitig unter die Rubrik ,, wenn Pflanzen schreien könnten.“ Ein Pflanze, dessen Fuß sich eingeschränkt und eingeklemmt in einem Kunststoff – Hydrokulturtopf befindet !

Hier hatte unsere Beaucarnea keine Chance sich gleichmäßig, oben wie unten, zu entwickeln. Ich glaube, dass wir in der heute schnell lebigen Zeit, der eine mehr der andere weniger, vergessen haben, dass es sich hier um ein Lebewesen handelt, und wir hierfür die Verantwortung schon beim Einkauf übernommen hatten, sonst wäre eine solche Situation mit ihrem Schadbild nicht vorzufinden. Ein Hydrokulturtopf wie hier im Bild zu sehen, der den Wurzelbereich umschließt und verschließt, der nicht beim Einsetzen ins Großgefäß geöffnet oder ganz entfernt wurde, ist meiner Meinung nach, ein Grund für das Leiden unserer Pflanze.

Unser Hydrokulturtopf wird zur Anzucht aller Pflanzen, die in Hydrokultur angezogen werden, benötigt, das ist richtig.

Aber bei der weiteren Verwendung ist darauf zu achten, dass alle Töpfe, bevor sie im Großgefäß mit weiteren Pflanzen platziert werden, Öffnungen in der Feuchtzone erhalten, damit hier die Wurzeln der Pflanzen sich richtig und nachhaltig entwickeln können. Siehe Forschungsarbeit Geisenheim vom 1.März 2002 / Dr. Heinz-Dieter Molitor Bei unserer Beaucarnea empfehle ich, den Topf ganz zu entfernen, warum? Wir wissen, dass die Wurzeln unserer Pflanzen allgemein ein Breitenwachstum haben, so auch bei unserer Beaucarnea. Allerdings wird sie zur Anzucht nicht unten im Hydrokulturtopf, da würde ihr Fleisch verfaulen, sondern ganz oben in der Trockenzone platziert, allerdings befinden sich dort keine Topföffnungen, wo ihre Wurzel ihn verlassen könnten. Sehr schön zu sehen am Topf der Beaucarnea, welcher ganz oben durch den Druck der Wurzeln aufgeplatzt ist, allerdings viel zu spät. Jetzt wissen wir auch wodurch unser Schadbild, Ernährungsmangel, entstanden ist. Durch eingequetschte Wurzeln im Hydrokulturtopf.

Ihr ist also schon nach kurzer Zeit der Topf zu klein geworden, obwohl das Hydrokulturgefäß selbst groß genug gewesen wäre. Ein weiterer Punkt erscheint mir wichtig zu erwähnen.
Wird der Topf nicht entfernt verdichtet sich im Kulturtopf der Lebensraum unserer Wurzeln sehr schnell und sehr stark, so dass ein neuer und zusätzlicher negativer Effekt entsteht. Unsere Nährlösung wird jetzt durch stark erhöhte Kapilarität bis an das Fleisch unserer Beaucarnea herangeführt. Da diese Feuchtigkeit durch den Hydrokulturtopf, der die Pflanze, wie im Bild zu sehen, fest umschließt, nicht entweichen kann, kommt eine Fäulnis des Fleisches unserer Beaucarnea noch hinzu. Unter anderem möchte ich noch erwähnen, dass oft viel zu viel Wassergaben gereicht werden. Es reicht meist völlig aus, sie alle 3 Monate zu gießen. Wenn es für Sie, liebe Hydrokulturfreunde von Interesse ist, ob man eine Pflanze in diesem Stadium noch retten kann, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie uns danach fragten.
Ihr Präsident Udo Stock


05.04.2009
Update: 11.03.2011 00:00:00