Rosmarinus officinalis L.

Umstellen / Umpolen

© Jochen Euler

„Kann ich auch meine in Erde gehaltenen Zimmerpflanzen-Lieblinge auf Hydrokultur umstellen?“

Als Hydrokultur-Liebhaber wird es für mich wieder unumgänglich, Pflanzenraritäten von Erdkultur auf Hydrokultur umzusetzen.
Als wir Mitte der 70-er Jahren auf die erdelose Pflanzenzucht, die Hydrokultur stießen, war das Angebot im Fachhandel sehr spärlich und ausschließlich auf Blattpfalnzen ausgerichtet.

Da wir aber auch blühende Topfpflanzen auf der Fensterbank kultivierten, mussten wir selber aktiv werden und "in die Produktion" einsteigen;


In der Literatur wird hier von umstellen oder auch umpolen gesprochen;
d. h. alles organische Substrat muss entfernt werden, es wird durch anorganisches Substrat ersetzt!

Da der Tischgefäße-Markt z.Z. fast total zusammengebrochen ist, wird für den Pflanzenliebhaber diese Prozedur wieder interessant;
ja, bis zu einer gewissen Größe kann man Erdpflanzen noch auf Hydrokultur auch ohne Gewächshaus umstellen. Da für die Umstellung ein vollständiges Ausspülen von Erdresten aus dem Wurzelwerk erforderlich ist, muss der Pflanzenliebhaber die maximale Pflanzengröße für eine Umstellung davon abhängig machen, ob das Reinigen der Wurzeln noch ohne Beschädigung der Pflanze möglich ist. Gut geeignet für eine Umstellung sind Pflanzen mit wenigen stabilen Wurzeln wie Philodendron, Drazänen u. ä.

Die Pflanze wird mit dem Wurzelballen aus dem Kulturtopf (Kunststoff oder Ton) herausgenommen. Vielleicht ist es notwendig, zuerst mit einem Messer das Erdreich entlang der Topfinnenwand zu lösen. Loses Erdreich abschütteln und vorsichtig entfernen. Durch eintauchen oder Strahlbrause mit (lauwarmen) Wasser die restliche Erde entfernen. Die Verwendung eines Holzstabes und einer abgewinkelten Pinzette ist dabei hilfreich. Es muss alles organische Material entfernt werden, damit später keine Fäulnis entstehen kann. Abgestorbene Pflanzenteile und Wurzeln, und gerade die beim Auswaschen beschädigten, müssen entfernt werden. Dazu wird ein scharfes Messer verwendet, eine Schere ist ungünstiger, da die Schere die Schnittstelle quetscht und nicht scheidet. Es empfiehlt sich die Schnittstellen mit pulverisierter Holzkohle zu desinfizieren.

"Das Wurzelleben findet im Dunkel statt, wo um so heftiger die Spekulationen blühen. Tatsache ist, dass die sogenannten Hydrowurzeln, die sich bei Pflanzen in Hydrokultur angeblich bilden, Fiktion sind. "Hydrowurzeln" sind in Wahrheit vergammelnde Erdwurzeln.
Oder: Zwischen gesunden "Hydrowurzeln" und Erdwurzeln gibt es keinen Unterschied. Beide haben, wenn sie gesund sind, weiße, feine Haarwurzeln, die für die Aufnahme von Sauerstoff zuständig sind. Die Nahaufnahme zeigt Wurzeln einer Hydrokulturpflanze, wie sie sich nur oberhalb der Wasseroberfläche bilden können. Damit sich solche Wurzeln in Hydrokultur bilden, darf der Wasserstand nur sehr niedrig sein. (Dr. Blaicher)


Das Umpolen von Erd- auf Hydrokultur ist ein mehr oder weniger schwerer Eingriff in das Leben der Pflanze.

Die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen erfolgt über die Wurzelhaare. Sie liegen meistens im Bereich der Wurzelspitzen und werden beim Ausschütteln und Auswaschen der anhaftenden Bodenteilchen zerstört. Die Pflanze ist dann nur noch in sehr geringem Maße in der Lage, Wasser mit den eventuell darin gelösten Nährstoffen aufzunehmen.

Da die Pflanze jedoch weiterhin Wasser über ihre Blätter verdunstet, muss die Verdunstung auf ein Mindestmaß herabgesenkt werden. Dies geschieht bei kleineren Pflanzen (auf der Fensterbank) durch Überstülpen einer durchsichtigen Plastikhaube, bei größeren Pflanzen im Gewächshaus.


Schon bei der Erdkultur kann das normale Umtopfen in neue Erde zu langanhaltenden Wachstumsstörungen führen. Manche sonst blühwilligen Pflanzen reagieren sehr empfindlich auf Störungen im Wurzelbereich und blühen lange Zeit nicht. Bei manchen Pflanzen führt schon das Umtopfen zu einem ein- bis zweijährigen Wachstumsstop. Das trifft in größerem Maße für das Umpolen zu.

Das starke Regenerationsvermögen einer Pflanze ist die natürliche "Umstellhilfe". Während des normalen Wachstums werden ständig Teile des Wurzelwerkes neu gebildet. Dieses Erneuerungsvermögen gilt auch für eine ausgewaschene Pflanze. Man kann sogar beobachten, dass sich neue Wurzeln bei einer ausgewaschenen Pflanze williger bilden, als nach einem bloßen Umtopfen.

Der Vorgang des Umpolens als Bilder-Galerie Umpolen


und in Stichpunkten:


  • Die lockere, äußere Erde wird von den Wurzeln abgeschüttelt.

  • Die festere Erde wird mit Wasser durch kräftiges Spülen gelöst und entfernt.

  • Die eventuell verbleibenden Erdrest von Hand entfernen.

  • Schlaffe, schwarze oder sonstige offensichtlich tote Wurzeln gänzlich wegschneiden.

  • Von Vorteil ist die Desinfektion der ausgewaschenen Wurzeln in einer wässrigen Lösung mit z.B. Chinosol.

  • Die so von Erde befreiten Wurzeln werden nun (in ein vorläufiges Anzucht-Substrat oder) in das endgültige Hydrokultur-Substrat eingebettet.
    Der "schwachkonzentrierte" Nährlösungs- oder Wasserstand nie über Optimum auffüllen, das wäre in dieser Situation absolut tödlich.

  • Die Abdeckung mit einer durchsichtigen Plastikhaube vermindert die Verdunstung von Wasser über die Blätter und fördert die Wurzel-Neubildung.
    Die Abdeckung muss so gehändelt werden wie die Lüftungsfenster eines Gewächshauses, zu hohe Luftfeuchtigkeit führt zu Schimmelbildung.

  • Erwerbsgärtner setzen Großpflanzen vor dem Auswaschen der Erde aus dem Wurzelwerk erst einmal in unausgewaschenes anorganisches Substrat, die Vorstufe zur Halb-Hydrokultur; erst nachdem neue Wurzeln aus der Erde heraus und ins Substrat hineingewachsen sind, wird die Erde ausgewaschen.


(14.11.2009)
(25.10.2011)
(01.03.2012)

Update: 31.03.2015 12:10:39