Blühende Eucharris

- Caliciumversorgung ist nicht nur für den Menschen von Bedeutung...


Calcium steht unter den Mineralstoffen des menschlichen Organismus weit an der Spitze und findet sich im Skelett, sowie in den meisten Organen und im Blutplasma.
Die wünschenswerte Calciumzufuhr für den erwachsenen Menschen liegt bei etwa 800 mg/Tag. Im höheren Lebensalter und in der Stillzeit ist der Bedarf wesentlich höher. Da die Mehrzahl unserer Lebensmittel relativ calciumarm sind – ausgenommen Milch, Milcherzeugnisse, Eier und einige Gemüsearten – hat die Frage der optimalen Calciumversorgung große Bedeutung erlangt und zur Forderung der Ca-Anreicherung verschiedener Lebensmittel, z. B. von Brot und Mehl geführt.

In diesem Zusammenhang sind die verschiedenen Nahrungsergänzungsmittel - unter anderem Calcium - zu nennen, die in Apotheken und Lebensmittelmärkten angeboten werden. Calcium ist also nicht nur für den Menschen von großer Bedeutung. Seit dem 19. Jahrhundert wird Calcium auch zu den lebensnotwendigen Nährstoffen der Pflanzen gezählt, das für die strukturelle und physiologische Stabilität der Pflanzengewebe verantwortlich ist. Dabei haben die verschiedenen Pflanzen einen sehr unterschiedlichen Ca-Bedarf und ein unterschiedliches Ca–Aufnahmevermögen.
Vergleiche dazu "Hydrokultur intern" Jahrgang 2006, Ausgabe 21, Seite 11.


Die Ca-Aufnahme in die Pflanze erfolgt ausschließlich in Ionenform Ca²+ und wird mit dem Transpirationsstrom im Xylem (Weg auf dem das Wasser aufwärts in die Blätter transportiert wird) vorwiegend zu den noch jungen meristematischen Geweben transportiert. In der Pflanze sind die aufgenommenen Ca-Ionen - im Gegensatz zu den anderen Makronährstoffen - nur zum kleinen Teil frei in Lösung, der größere Anteil liegt in schwerlöslichen Verbindungen vor. Deshalb muss die wachsende Pflanze kontinuierlich, also täglich Ca-Ionen aufnehmen, um den Bedarf der jungen, aber auch älteren Geweben abzudecken.

Auch deshalb, weil im Phloem allgemein kein Calcium Transport stattfindet (das Phloem begleitet sowohl im Stengel, als auch in den Wurzeln das Xylem; im Gegensatz zum Xylem ist der Transport im Phloem sowohl abwärts, als auch aufwärts gerichtet). Daher ist auch ein Rücktransport aus älteren calciumreichen Geweben, wie beispielsweise älteren Blättern in jüngere calciumarme Blätter oder in calciumarme Wurzeln kaum möglich. Unter diesem Aspekt bekommt die Calcium Versorgung gerade im Bereich der Hydrokultur eine ganz besondere Bedeutung.

Calcium wirkt stabilisierend auf die Zellwände, es festigt das Pflanzengewebe. Ca-Mangel hingegen erhöht die Durchlässigkeit der Zellmembranen, was zu Zerstörung der Zellen führen kann. Aufgrund des Eindringens des Zellsaftes in die Interzellularen ist ein „Glasigwerden“ des Ca-Mangelgewebes zu beobachten. Eine typische Zeigerpflanze dafür ist Asplenium nidus im winterlichen Gewächshaus bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit. Die hohe Luftfeuchtigkeit erschwert die Ca-Aufnahme über den Transpirationsstrom im Xylem.
In der Raumbegrünung ist dagegen die Luftfeuchtigkeit meist relativ niedrig, so dass die Pflanzen ohne Einschränkungen das aufgenommene Gießwasser transpirieren können.
Hier finden wir ein anderes Extrem, bedingt durch ungleichmäßige Wasserversorgung, insbesondere auch längere Trockenheiten zwischen den Gießintervallen der Gefäßpflanzen. Hierbei ist eine kontinuierliche Ca-Aufnahme und Ca– Verteilung in der Pflanze nicht mehr gewährleistet. Aber auch die Staunässe führt neben der Trockenheit zu einer deutlich verringerten Ca- Aufnahme. Siehe „Hydrokultur intern“ Jahrgang 2005, Ausgabe 16, Seite 11, Grandios… einfach nur tief durchatmen!


Charakteristisch für den Calcium Mangel sind Verbräunungen der Blattspitzen und Blattrandzonen, das Verformen und Kräuseln jüngerer Blätter mit aufgewölbten und zum Teil eingerissenen nekrotischen Blatträndern und das hakenförmige Zurückkrümmen der Blattspitzen. Auch das sich neu bildende Wurzelgewebe benötigt eine stetige Ca- Zufuhr und -Aufnahme. Ohne Calcium ist kein Wurzelwachstum möglich. Bei Calcium-Mangel bleiben die Wurzeln kurz, werden schleimig, verbräunen und sterben von der Spitze her ab. Diese durch Ca-Mangel hervorgerufene Wurzelfäule ist auch nicht durch einen gut gemeinten Fungizideinsatz zu beheben.

Weiterhin zeigt Calcium im leicht sauren Bereich, bei pH-Werten von über 5, einen erheblichen Schutzeffekt gegenüber Schwermetallen, die weniger durch das Gießwasser, als vielmehr durch den mehr oder weniger natürlichen und spezifischen Gehalt der Hydrokultur-Substrate Eingang in die Pflanzen finden können. So gibt es die Ansicht, dass der Ca-Bedarf der Pflanzen vor allem dann niedrig ist, wenn auch die Konzentrationen der Schwermetalle niedrig sind.

In diesem Zusammenhang muss noch auf folgende Begebenheit hingewiesen werden: Hydrokulturen verfügen über ein Ca- Pufferungsvermögen, das sich aus dem natürlichen anfänglichen Ca- Gehalt des Hydrokultursubstrates ergibt, das nach wenigen Jahren, bei unzureichender Ergänzung durch das Gießwasser aufgebraucht ist.
Pflanzenschäden sind dann durch eine ebenso natürliche Calciumverarmung unvermeidbar.

Zur Erinnerung: Eine ausreichende Ca-Versorgung liegt vor, wenn das Gießwasser über einen Ca-Gehalt von 60 mg/Liter verfügt. Geringere Ca- Gehalte müssen mit einer Calciumdüngung ausgeglichen werden. (HSt)

Update: 11.12.2013 11:40:09