Dracaena Salisb.

Die Geschichte der Zimmerpflanzen

© Pflanzentrend

Wie Pflanzen die Häuser eroberten

Heute sind Zimmerpflanzen ein fester Bestandteil unserer Wohnkultur. Das war nicht immer so. Historischen Quellen ist zu entnehmen, dass zunächst heimische Pflanzen in Töpfen unter freiem Himmel gehegt wurden. Erst die exotischen Pflanzen, die spezielle klimatische Bedingungen benötigten, zogen in die Räume ein.

Die hängenden Gärten
Die hängenden Gärten der Semiramis in Babylon (814-810 v.Chr.) demonstrieren eindrucksvoll, wie in der Antike Pflanzen in Steingefäßen auf Terrassen gezogen wurden. Die Ursprünge der Topfbepflanzung liegen wahrscheinlich in Griechenland. Von dort breitete sich die Kultur der Pflanzen im Topf über andere Gebiete des Mittelmeerraums aus.

Zum Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. war die Topfpflanzenzucht allgemein üblich und Dachgärten galten nicht mehr als Besonderheit. Auch die Ägypter hatten offenbar eine große Vorliebe für Blumen und Pflanzen. Grabmalereien belegen, dass ab dem 3. Jahrhundert v.Chr. Pflanzen in Innenräumen Einzug gehalten haben. Sie standen in Tontöpfen und dienten zum Schmuck von Innenhöfen.

Pompeji
Funde zwischen den Ruinen von Pompeji deuten darauf hin, dass dort - im Süden Italiens - schon vor 2000 Jahren Zimmerpflanzen gezogen wurden. Es gibt Belege dafür, dass römische Atrien mit zahlreichen Blütenpflanzen in Hängetöpfen und -körben ausgestattet waren.

Pflanzenjäger Expeditionen, Feldherren und Kreuzfahrer brachten seit der Antike als Beute ihrer Reisen stets auch Pflanzen ferner Länder mit. Zunächst zielte die Sammlung darauf ab, Nahrungspflanzen oder Pflanzen mit medizinischem Wert zu finden. Als Hoch-Zeit der Entdeckungen gelten das 17. und 18. Jahrhundert. Oft reiste an Bord der Handelsschiffe ein Botaniker mit, der speziell beauftragt war, nützliche, aber oft auch modische Zierpflanzen auszumachen und mitzubringen.

Kew Gardens
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts führten die europäischen Entdeckungsreisen über die ganze Erde, so dass immer mehr Pflanzen gefunden, beschrieben, begehrt und gesammelt wurden. 1768 nahm Joseph Banks an einer Fahrt von Captain Cooks "Endeavour" teil und brachte 3000 Pflanzenarten mit nach Großbritannien, von denen der Wissenschaft damals ein Drittel gänzlich unbekannt war.
Zum bedeutendsten Garten der Welt wurde Kew Gardens, da die Pflanzen von Cooks drei Reisen dort angepflanzt wurden. 1789 waren dort - im Südwesten Londons - nicht weniger als 5500 Arten registriert.




Privileg der Reichen
Es wurde immer mehr Mode, Pflanzen aus dekorativen Gründen in den Wohnräumen oder Wintergärten zu präsentieren. Die Zimmerpflanzenzucht entwickelte sich in Europa zu einer großen Leidenschaft, der vor allem die Reichen aller Länder frönten. Der Besitz und die Zurschaustellung exotischer Pflanzen strahlte großes soziales Prestige aus und oft herrschte eine ambitiöse Konkurrenz unter den reichen Pflanzenliebhabern.

Die Blütezeit fand die Innenraumbegrünung im heutigen Sinne im Viktorianischen England. Man baute Räume für die seltenen exotischen Pflanzen. Die Orangerien des 18. Jahrhunderts wurden im 19. Jahrhundert von Ganzglas-Häusern abgelöst.



Der Durchbruch
In Deutschland begann die Haltung von Pflanzen in bewohnten Räumen erst in der Biedermeierzeit. Neben Pflanzen wurden insbesondere auch Volieren aufgestellt; man holte sich die möglichst exotische Natur ins bürgerliche Haus. Den Durchbruch für die tropischen Pflanzen brachte eigentlich erst die Installation von Zentralheizungen und die helle und großzügige nordische Architektur mit großen Fenstern. Denn ohne Licht und ohne moderate Temperaturen auch im Winter, hätten die meisten Pflanzen unsere Häuser nicht erobern können.

Heute ein Muss
Heutzutage sind Pflanzen als ausdrücklicher und kreativer Beitrag aus dem Interieur nicht mehr wegzudenken. Mit ihrem Facettenreichtum, was Farben und Formen betrifft, dienen Pflanzen als gestalterische Elemente, die allerdings dem Zeitgeist ebenso unterworfen sind wie andere Einrichtungsgegenstände, Dekorationsstoffe oder Accessoires. Gerade am Beispiel der Pflanzen lassen sich erstaunliche Imagewandel ablesen. Galt doch vor ein paar Jahren z.B. der Bogenhanf mit seinen staksigen, unverwüstlichen, senkrechten Blättern als Inbegriff für kleinbürgerliches Spießertum, so gehört er heute in Verbindung mit dem RetroTrend - wieder hochaktuell in die Pflanzenszene. (BBH)

Update: 08.10.2015 15:45:55