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Perspektiven für Innenraumbegrünung mit Hydrokultur

Anfang der 90iger Jahre erreichte die Hydrokultur Zuwachsraten bis zu 17%. Etwa 50% entfielen auf die Innenraumbegrünung und 50% auf die privaten Haushalte. Bei weiterer Unterteilung in Pflanze und Zubehör liegt ein Verhältnis von 60 zu 40% vor.

Bei verschiedenen Fachseminaren für Hydrokultur-Innenraumbegrüner wurde eine Befragung durchgeführt, um den Erfolg und die Aussichten ihrer Arbeiten zu ermitteln. Das Hauptinteresse galt dem Grundlagenwissen, wie beispielsweise der Pflanzenauswahl, der Ernährung, der Wasserqualität, dem Licht und der Pflanzenpflege. Bei der Auswertung der Antworten fiel auf, dass mit Fachwissen allein die Innenraumbegrünung nicht zu revolutionieren ist. Neben diesem ist offensichtlich eine strukturierte Arbeitsweise sowie systematisches Abrufen umfangreicher Informationen über das Objekt notwendig. Mündliche Informationen reichen dazu nicht aus. Erst wenn diese drei Punkte erfüllt sind, kann die Innenraumbegrünung erfolgreich sein.

Hier die Ergebnisse der Befragung von ca. 100 Hydrokultur-Innenraumbegrünern:

Wie gut läuft ihr Geschäft?
- hervorragend: 14,3%
- zufriedenstellend: 79,1%
- schlecht: 6,6%



Wie häufig führen sie welche Pflegemaßnahmen durch?


Offensichtlich gibt es einen Zusammenhang zwischen einem überdurchschnittlich gutem Geschäftserfolg und einer strukturierten Arbeits- und Informationsweise nachfolgend am Beispiel von Pflegemaßnahmen (Tab. 1) und Informationen über das Objekt (Tab. 2) dargestellt.
In Tabelle 1 ist die Häufigkeit einzelner Pflegemaßnahmen aufgelistet, die im Abstand von 14 Tagen, monatlich... bis niemals erledigt werden können. Dabei zeigte sich, dass Schnelltests für Nitrat, pH-Wert und Nährlösungsanalysen vorwiegend in der Spalte “niemals” mit 53,6% angekreuzt wurden. Das bedeutet: Abweichungen von den Nährlösungsrichtwerten können nicht bemerkt und auch bei Bedarf nicht korrigiert werden. Demnach werden Qualitätseinbußen, möglicherweise auch ein Ausfall von Pflanzen, offensichtlich, wenn auch nicht bewusst, in Kauf genommen.


Wie informieren sie sich über die einzelnen Objekte?



Das Abstauben der Pflanzenblätter, die Beseitigung von Unrat, das Säubern und Ergänzen von Substrat und das Putzen der Gefäßaußenseite sollte regelmäßig und in kurzen Abständen erfolgen. Dies ist besonders wichtig damit Begrünungen immer frisch und gesund aussehen. Eine Erledigung dieser Arbeiten im vierteljährlichen Rhythmus, wie von vielen Innenraumbegrünern angekreuzt, reicht keinesfalls für eine gepflegte Innenraumbegrünung aus. Ebenso ist auch eine Prüfung der Wasserstandsanzeiger, wie beispielsweise im vierteljährlichen Abstand, nicht akzeptabel, da die Pflanzen durch hohen Wasseranstau unmittelbar geschädigt werden. Deshalb lautet die ultimative Forderung: Bei jedem Gießen die Anzeiger-Funktion prüfen!

Die Art und Weise wie sich die befragten Innenraumbegrüner über die einzelnen Objekte informieren, zeigt Tabelle 2. Die Informationen können wie folgt vorliegen:
- schriftlich mit jährlicher Aktualisierung
- schriftlich ohne jährliche Anpassung
- mündlich
- oder nicht vorhanden

Obwohl die Wasserqualität bezüglich Inhaltsstoffe und Wasserhärtebereiche bestimmte Anforderungen erfüllen muss und deshalb für die Zubereitung der Nährlösung von besonderer Bedeutung ist, liegt diese Information bei nur 9,5% (mit jährlicher Aktualisierung) bzw. 18,9% (ohne Aktualisierung) der Innenraumbegrünern schriftlich vor.
Man bedenke: Bei 47,4%, also knapp der Hälfte der Innenraumbegrüner ist keine Information über das verwendete Wasser vorhanden, bei 24,2% liegen diese Informationen nur mündlich vor. Zur Erinnerung: Die Zusammensetzung einer geeigneten Nährlösung erfolgt auf der Grundlage des verfügbaren Wassers. Das heißt, das im Objekt verfügbare Wasser und die Nährstoffe müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass die Nährstoffe pflanzenverfügbar sind und sich keine Nährsalze im Überschuss oder Mangel befinden. Dies ist ohne Wasseranalyse nicht zu realisieren.

Ähnlich ungünstig verhält es sich mit den Informationen über Enthärtungsanlagen, die das für Pflanzen lebensnotwendige Kalzium und Magnesium gegen Natrium austauschen. Wasser aus diesen Enthärtungsanlagen ist nicht pflanzentauglich. Das wird als bekannt vorausgesetzt! Dennoch liegt diese wichtige Information über vorhandene Enthärtungsanlagen bei 27% der Innenraumbegrüner nicht vor bzw. über nachträglich installierte Enthärtungsanlagen bei 69,1% nicht vor.

Ebenfalls zeigte sich ein Informationsdefizit bei der Auskunft über den Typ der Verglasung, möglicherweise auch einer nachträglichen Auswechselung der Verglasung. Auch hier ist die Mehrzahl der Innenraumbegrüner nicht oder nur mündlich informiert. Obwohl eine Verglasung mit für Pflanzen geeigneter Lichtdurchlässigkeit als unabdingbare Voraussetzung für ein gesundes Wachstum gilt.

Nachteilig sind die fehlenden Mitteilungen über Licht-, Temperaturverhältnisse, Heizungssysteme und Pflegemaßnahmen, die überwiegend mündlich oder überhaupt nicht vorliegen. Auch diese Nachlässigkeit kann für die Begrünung katastrophale Folgen haben.

Eine rechtzeitige Meldung über Renovierungsmaßnahmen beim Kunden ist in 57,9% der Fälle nicht vorhanden, 29,5% der Innenraumbegrüner lassen sich nur mündlich informieren. Auch in dieser Angelegenheit müsste unbedingt ein Informationsaustausch über Art und Umfang der geplanten Maßnahmen zwischen Auftraggeber und Innenraumbegrüner erfolgen.

Erfreulich dagegen ist, dass bei einer, wenn auch nur sehr kleinen Gruppe, die Pflegemaßnahmen von 5,2% der Innenraumbegrüner in zweiwöchigen und von 7,1% in monatlichen Abständen durchgeführt werden (Tab. 1, Summenzeile).
Und nur 7,5% der Befragten, das ist lobenswert und dennoch viel zu gering, führen schriftliche Auswertungen mit jährlicher Aktualisierung bzw. 7,2% ohne jährliche Aktualisierung durch, die für ein gutes Gelingen der Pflege so wichtig sind (Tab. 2, Summenzeile).

Im Allgemeinen ist festzustellen, dass die Häufigkeit der Pflegemaßnahmen und der Umfang der Informationen über die einzelnen Objekte keineswegs zufriedenstellend ist. Es zeigte sich vielmehr, dass die Pflegemaßnahmen meist in großen Abständen bzw. nach Bedarf oder niemals durchgeführt werden und dass nur sehr wenige Informationen über den aktuellen und tatsächlichen Sachverhalt der einzelnen Objekte vorliegen. Bei auftretenden Schäden kann folglich nur gemutmaßt oder geraten werden, welche Ursachen für das Entstehen der Schäden verantwortlich sind. An mündliche Vereinbarungen - wie in Tabelle 2 überwiegend angekreuzt - wird sich kaum einer, der in Verhandlung stehenden und möglicherweise streitenden Parteien, erinnern können.

An dieser Stelle soll auf eine Auflistung von Forderungen zur sachgerechten Pflanzenpflege verzichtet werden. Diese existieren bereits in der FLL-Broschüre "Innenraumbegrünung". Ihre Umsetzung wäre sicherlich erfolgreich, wenn die Innenraumbegrüner ihre Aufmerksamkeit ganz besonders auf eine gut strukturierte Arbeitsweise und umfassende Informationen über ihre Objekte konzentrierten. Dann könnte die Mehrheit der Innenraumbegrüner über hervorragende anstatt nur zufriedenstellende oder schlechte Geschäfte freuen. Bei einer konsequenten Anwendung von Fachwissen, strukturierter Arbeitsweise und Informations-Austausch dürfte sich vor allem für die Innenraumbegrünung neben einer Qualitätssteigerung auch die Perspektiven erheblich verbessern lassen. (HS)
Update: 25.10.2010 00:00:00