Yucca guatemalensis Baker

Die Anfänge der gärtnerischen Hydrokultur in Blähton in Deutschland

© Wolfgang Mohr

Präsident Günter Gregg hat mich gebeten für diese Festschrift zu diesem Thema aus meinen Erinnerungen zu berichten. Diesem Wunsch entspreche ich gern. Nun kenne ich die Verbandsarbeit aus eigener Erfahrung, da ich 18 Jahre als Vorsitzender des Fachverbandes Hydrokultur im Zentralverband Deutscher Gartenbau e.V. arbeiten durfte. Ich weiß also das Jubiläum wohl zu schätzen und komme an anderer Stelle darauf zurück.

Insider wissen, daß Günter Gregg auch zu den Gründungsmitgliedern unseres Verbandes gehörte. Er hat nicht nur lange im Vorstand mit gearbeitet, sondern er war in dieser Zeit immer voller Ideen für die Produktion und Verbreitung fachlich richtiger Hydrokultur bezüglich Pflanzen und technischem Zubehör zum Nutzen der Blumenliebhaber und gewerblichen Verbraucher. Ich hätte mir ‚meinen‘ Vorstand ohne die Aktivitäten eines Günter Gregg gar nicht vorstellen können.

Nun wäre es sicher ‚Wasser in die Isar‘ getragen, wenn ich die Anfänge des erdelosen Pflanzenlebens (z.B. als pflanzliche Wesen aus dem Wasser kommend noch kein Humus vorfanden) oder die ersten Erkenntnisse der Menschen (Woodward 1665-1728, v.Liebig 1803-1873) über die Lebensfähigkeit von Pflanzen ohne Erde an dieser Stelle aufzähle. Es ist in diesem Kreis bekannt, welche Wissenschaftler weitere Erkenntnisse gewannen oder Versuche in ‚Hydroponik‘ unternahmen und auch Grundlagen schafften.

Erwähnt werden muß aus jüngster Zeit jedoch Prof. Dr. Penningsfeld. Seine umfangreichen Versuche an Schnittblumen in Hydrokultur in verschiedenen Systemen am Institut für Bodenkunde und Pflanzenernährung in Weihenstephan blieben mir von vielen Besuchen als Gärtnerlehrling besonders im Gedächtnis. Prof. Dr. Penningsfeld begann mit diesen Versuchen 1947, seine ersten Veröffentlichungen kamen im Jahr 1949.

Interessant auch F. Hörning, dessen Betrieb ich 1953 in Steinheim / Westfalen besichtigen durfte und der schon ab ca. dem Jahr 1940 professionell Anthurium andraeanum–Schnitt in mehreren Gewächshäusern mit großem Erfolg kultivierte.

In dieser Zeit entwickelten sich dann verschiedene Topfpflanzensysteme für Liebhaber. In der Schweiz war es Plantanova und in Deutschland auch andere, bei denen z.B. Pflanzen in verhältnismäßig kleine Einsätze und in die unterschiedlichsten Substrate bis hin zu Kunststoffborsten gepflanzt wurden. Fast jeder Gärtnerkollege, der später die Hydrokultur in Blähton für sich entdeckte, arbeitete auch schon mal mit diesen Systemen oder in der Anzucht von Pflanzen in Grodan (Steinwolle), was sich beim Kunden nicht bewährte.

Nun, wenn man heute in Fachkreisen von Hydrokultur spricht, meint man Hydrokultur in Blähton. Sie hat sich als einzige bei den Blumenliebhabern und damit in der gärtnerischen Praxis in der Breite durchgesetzt.

So will ich mich gern beschränken auf die Entwicklung eben dieser Hydrokultur. Dabei konnte ich nachfolgende Zusammenstellung mit guten Gewissen niederschreiben, da ich die Fakten und Daten aus gesammelten Briefen, Notizen und Belegen entnehmen konnte. Das dazu Fehlende habe ich in den letzten Tagen ergänzt durch Befragung von kompetenten Zeitzeugen. Diesen danke ich an dieser Stelle für Ihre Mühe, ganz besonders danke ich Herrn Gerhard Baumann in der Schweiz.

Gerhard Baumann, Bern

begann ca. 1959 mit verschiedenen Substraten zu experimentieren, favorisierte zunächst Sand, insbesondere Quarzsand, als Substrat, stellte aber ca. im Jahr 1961 fest, daß kein Substrat so gut geeignet war als Blähton. Er verwendete das Produkt Lecaton, das auch heute noch von allen Blähtonarten weit überwiegend verwendet wird. Dieses war 1961 als Pflanzensubstrat noch gar nicht im Handel. Es war Baumanns Idee, diesen zu versuchen. Blähton ist ein bei ca. 1200° C im Drehofen mit Luft aufgeblähter Ton, der damals schon in der Bauindustrie verwendet wurde. Nun spielte das große Glück mit, das genau dieser erprobte Blähton keine Schadstoffe enthielt (heute wird dieses Risiko durch ständige Bodenuntersuchungen des rohen Tons ausgeschlossen. Da Herr Baumann ein komplette System schaffen und auf den Markt bringen wollte, suchte er nach der idealen Kulturtopfhöhe und legte diese auf 19 cm fest, gab Maße für eine erste Gefäßserie vor und entwickelte einen dazu passenden Wasserstandsanzeiger. Er animierte eine Zierpflanzengärtnerei Pflanzen in diesen Kulturtöpfen zu kultivieren und verkaufte das System über das bekannte Samenhaus Vatter in Bern mit Erfolg. Alsbald gründete er mit Vatter zusammen eine Firma, die sich erstmals nur mit Verkauf von Pflanzen und Gefäßen in Hydrokultur in einem System befaßte. Die Firma trug den Namen Luwasa, was sich zusammensetzt aus den Worten Luft, Wasser, Sand (siehe oben, die ersten Versuche mit Sand). Der Absatz lief in der Schweiz gut an und man verkaufte die Hydrokultur zur Aufstellung in Wohnungen, Büros, Krankenhäuser.

In Bern entdeckte ich im Jahr 1967 diese Pflanzungen, die man dort nur Luwasa nannte. Noch heute spricht man in der Schweiz von Luwasa, weniger von Hydrokultur. Mich interessierten diese Pflanzen einfach als Gärtner und ich wollte, ich mußte, dieses System in meiner Gärtnerei, damals in Tauberbischofsheim, ausprobieren.
Herr Baumann war an diesem Kontakt sehr interessiert, da gerade die ersten Gehversuche mit Verkauf von Luwasa in Deutschland angelaufen waren. Es war gerade eine deutsche Luwasa-Gesellschaft in Wiesbaden gegründet worden und er versprach, den dortigen Geschäftsführer Herrn Eisenacher zu mir zu schicken. Das geschah sehr schnell und ich hatte noch im gleichen Jahr die ersten Hydrokulturpflanzen in Blähton selbst in meinem Betrieb eingetopft.

Herr Eisenacher machte mich mit seiner Strategie zur Verbreitung der Hydrokultur in Deutschland bekannt und darüber, daß er auch mit einem weiteren Kollegen in Verbindung steht, nämlich mit der Gärtnerei Carl Ball in Gaggenau.

1967 war also der Anfang der Hydrokultur in Blähton in Deutschland. Ball und Mohr waren die ersten, die Hydrokultur in größeren Mengen ab diesem Jahr kultivierten. Diese beiden gelten als die eigentlichen Pioniere der Hydrokultur in Deutschland, da hier die entscheidenden Weichen in Pflanzenauswahl in Arten für die Haltbarkeit beim Kunden gestellt wurden. Die Erfahrungen in der Schweiz waren noch zu gering, um darauf aufbauen zu können. Unser Wissen konnten wir dann wiederum weitergeben an andere Kollegen in Deutschland und nach Österreich, Holland, Belgien. Es bestand überhaupt in dieser Zeit ein reger Austausch durch ständige Besuche von interessierten Kollegen in diesen zwei Gärtnereien.

Während Kollege Ball die Hydrokulturpflanzen nur im Großhandel verkaufte, suchte ich eine weitere Verkaufsmöglichkeit. Mich faszinierte das in der Schweiz Gesehene und ich begann an Büros, Krankenhäuser und an andere Großabnehmer zu verkaufen. Somit war das auch der Beginn der professionellen Raumbegrünung in Deutschland. Unabhängig davon förderte ich den Verkauf an Floristen und Gärtner in Bayern sehr früh durch Hausseminare, um den Hobbygärtnern die Hydrokultur nahe zu bringen.

Herr Eisenachers Strategie war, entsprechend der Leistungsstärke seiner Abnehmer Gebiete in unterschiedlicher Größe im Alleinverkauf zu überlassen. So stießen im Laufe der Jahre Kollegen aus dem gärtnerischen oder floristischen Bereich zu den ,Luwasa-Partnern‘ dazu, die diese Aufgaben übernahmen. Bis 1971 waren es allerdings nur 17 Gärtner bzw. Floristen und so gab es weiterhin viele weiße Flecken auf der deutschen Landkarte.

Unter dieser Zahl waren 5 Gärtnereien, die schon sehr gezielt Hydrokultupflanzen9 produzierten: [fett, Gaggenau; Hoesch-Gärtnerei (geführt von Herrn Hartmann), Dortmund; Hübecker, Tönisvorst; Mohr, Tauberbischofsheim (und seit 1970 auch München); Pluta, Berlin

Der Verkauf von Hydrokultur in Deutschland war am Anfang zäh und nicht jeder der angesprochenen Kollegen war bereit, finanzielle Vorleistungen in das damals manchen noch unsicher erscheinende Geschäft zu stecken. Von den von Luwasa angebotenen Gefäßen gab es anfangs nur Bodengefäße, die nicht sehr schön waren. Es waren Eternitgefäße mit Vierkant-Eisenunterbau. Diese wurden erst 1972 abgelöst von den Kunststoffgefäßen aus geschäumtem Polystyrol in verschiedenen freundlichen Farben lackiert, die heute noch mit gleichen Größen am Markt sind, jetzt von verschiedenen Herstellern. Das waren dann auch Gefäße, die sich besser an die sich indessen gewandelte Wohnkultur einfügten.

An kleinen Gefäßen für den Tisch oder ans Fenster gab es anfangs nur das runde Modell ‚ ‘Aquador‘, später quadratische und längliche Modelle mit altmodischen Sichtfenstern zur Prüfung des Wasserstandes. Im März 1973 wurde dann das auch heute noch vom Kunden gewünschte Tischgefäß 20x20 cm vorgestellt, dann erstmals auch für Kulturtopfhöhe 12 cm und mit Wasserstandsanzeiger.

Endlich also auch ein ansprechendes Produkt für den Wohnungs-Kleinbereich. Das gab es anschließend auch in 20x60 cm. Kurz danach kamen von Luwasa Keramik-Tischgefäße in 3 Größen in verschiedenen Farben auf den Markt. Ich berichte von dieses Anfängen im Liebhaberbereich so ausführlich, weil es bis dahin schwierig war, im Kleingefäßbereich etwas ansprechendes anzubieten, obwohl wir immer wieder danach gefragt wurden.

Im Jahr 1973 kam eine weitere Gärtnerei hinzu. Es wurde eine Luwasa Nord in Hamburg gegründet. Die Gesellschafter waren zunächst Wieck und Jürs. Diese Partner übernahmen einen großen Betrieb in Hamburg und hatten damals die größte Hydrokulturgärtnerei in Deutschland und es gab auf einmal eine große Ausweitung der Pflanzenproduktion. Von Hamburg aus ging man nun in Absprache mit Wiesbaden auf breiter Front an Gartenbauabteilungen in Kaufhäusern und anderen Großunternehmen und somit war für viele Interessenten im Liebhaberbereich erstmals in Ihrer Nähe Hydrokultur zu bekommen.

Wenn ich nun die Anfangsjahre etwas ausführlicher beschrieben habe, ist es um dem Thema besonders gerecht zu werden, aber andererseits stieß ich immer wieder bei Gesprächen mit Liebhabern auf großes Interesse bei der Frage: ‚Wie fing denn das alles an?‘.

Im Nachfolgenden wäre sicher einiges mehr zu berichten, jedoch sollen nur die für die Entwicklung wichtigsten Punkte erwähnt werden.

Am Markt wurde es nun von anderer Seite lebhaft. Außerhalb der genannten (Luwasa-)Kollegen entdeckten weitere Gärtner die Hydrokultur in Blähton. Zu den oben genannten 5 Hydrokulturgärtnereien kamen nun weitere hinzu. So begann 1972 Funk, Langenselbold in Blähton zu kultivieren, der vorher schon in anderen Hydrokultursystemen Pflanzen anzog.
Auch die Versuchsgärtnerei der Bayer AG in Leverkusen-Rheindorf unter Ihrem Leiter Hentschel begann 1972 in eigenen Hydrokulturtöpfen 19 cm hoch zu kultivieren, zunächst tatsächlich zum Versuch. Nach den ersten Erfolgen in der Gärtnerei wurden die Pflanzen in den Büros des Bayer-Werkes aufgestellt. Zuerst mit einer sehr einfachen ‚Gefäß-Kombination‘. Es wurden quasi Untersetzer – dreieckige aus Kunststoff- eigens für die Aufstellung von Einzelpflanzen im Werk produziert.

Die Pflanzenproduktion nahm zu und es wurden die ersten Hydrokulturpflanzen an die NBV (Niederrheinische Blumenversteigerung) in Neuss verkauft. Zur Information: Diese Organisation liefert in deutschen Gärtnereien produzierte Pflanzen in ganz Deutschland an Endverkaufshändler. Somit bahnte sich hier ein Weg an, in ganz Deutschland die Hydrokultur präsent zu machen, was nur positiv zu bewerten war.
Im übrigen brachte eine Vorstellung der Hydrokultur in der Sendung ‚Was bin ich?‘ in München gedreht in dieser Zeit, am 10.4.1973, eine erstaunlich hohe Resonanz im Liebhaberbereich. Vielleicht kann sich der eine oder andere geschätzte Leser daran erinnern.

Sehr schnell fanden sich jetzt weitere Gärtnereien, zunächst besonders am Niederrhein wegen der Nähe zur NBV bzw. zur UGA (Union gartenbaulicher Absatzmärkte) z.B.Witte, Krefeld; Thissen, Kleve u.a.), aber auch in Stuttgart, Hausmann, die Pflanzen kultivierten und es fanden sich immer mehr Fachgeschäfte, in denen der Liebhaber Hydrokultur finden konnte. In dieser Zeit begann auch die Gärtnerei Rotter, Wiesbaden, mit Produktion, erwähnenswert, weil dieser Betrieb später zu den größten Gärtnereien gehören sollte.

Ab 1974 produzierte Lenz, eine kunststoffverarbeitende Firma, Tischgefäße, später auch Großgefäße. Diese Firma – später Leni-Hydrokultur - entwickelte sich nach Hinzunahme von Pflanzen in ihr Handelsprogramm zu einem Großhändler, der sich schnell ausbreitete und heute der Marktführer in Hydrokultur in Deutschland ist. Eine Position, die Luwasa in den Anfangsjahren besetzt hatte.. Interessant, daß Luwasa in der Schweiz auch heute noch Marktführer ist.
1973/1974: In diesen Jahren gab es tatsächlich eine stürmische Entwicklung, was zur Folge hatte, daß nicht überall auf die bis dahin hoch gehaltene Qualität geachtet wurde. Insbesondere als der Verkauf ‚der Großen‘ an nicht fachgerecht geführte Geschäfte wie Baumärkte einsetzte, blieb die Qualität zum Schaden der Verkäufer und der Käufer auf der Strecke. Nachdem die Ware einige Zeit trotzdem verkauft wurde, mussten die Großhändler später einsehen, daß sie sich und der Hydrokultur keinen guten Dienst erwiesen hatten.

Gregg, Castrop-Rauxel und Nordkirchen, begann nach seinen Angaben mit Hydrokultur in Blähton im Jahre 1971, nachdem er vorher auch schon wie seine Kollegen mit anderen Substraten Erfahrung mit erdeloser Pflanzenkultur sammelte, insbesondere mit Grodan. Ab 1974 hatte auch Gregg die ganze Palette der Pflanzen in Blähton in Kultur. Gregg war ein Unternehmer, wie er im Buche steht. Er führte den Betrieb mit der problemlosen Hydrokultur in Blähton zur größten deutschen Hydrokulturgärtnerei und beschäftigte in seinem Betrieb über 150 Mitarbeiter und sogar einen Wissenschaftler. Hier wurden wirklich auch Massen kultiviert.

1975 nahm noch eine Gärtnerei Hydrokultur auf, ein Betrieb, der später auch sehr an Bedeutung gewann: Otto, Mannheim (heute Hydroteufel). Hier wurde nach den Anfangsjahren sehr großer Wert auf blühende Pflanzen und Raritäten gelegt, um den Wünschen der Liebhaber besonders nachzukommen.

Es bildete sich 1976 eine parallele Gruppe neben der Luwasa. Es war ein Zusammenschluss von Fachgeschäften zur TWL (Ton, Wasser, Luft). Diese diente den Kollegen als Entwickler neuer Gefäßserien besonders auch im Liebhaberbereich, gemeinsamer Marktstrategien, aber auch als Großhändler.

Übrigens, 1974 wurde das erste Hydrokultur–Fachgeschäft weltweit (gemeint natürlich wieder Hydrokultur in Blähton) in München von Frau Lucie Mohr eröffnet. Es entwickelte sich zu einem Eldorado für Liebhaber der Hydrokultur genau wie das Folgende: 1975 kam ein weiteres Hydrokultur–Fachgeschäft in Berlin-Dahlem dazu, eröffnet von dem bereits genannten Kollegen Hans-Jürgen Pluta. In beiden Geschäften wurde nur Hydrokultur-Zubehör mit einer großen Auswahl Hydrokultur-Pflanzen angeboten.

Stichwort Berlin! Die Insellage Berlin, mit dem großen Bedürfnis der benachteiligten Berliner nach Grün und besonders Grün in der Wohnung, führte die Hydrokultur-Kollegen dazu, Testserien an Hydrokulturgefäßen mit Pflanzen in Berlin anzubieten. Erstmals wurde Hydrokultur in geballter Form auf der Grünen Woche 1977 in Berlin gezeigt und auch die Besucher beraten. Federführend dabei war Hans-Jürgen Pluta, der die Vorbereitungen des Arbeitskreises Hydrokultur vor Ort umsetzte. Aus dem Verhalten der Berliner konnte man Rückschlüsse ziehen auf die Bedürfnisse der Bevölkerung in der Bundesrepublik.

Der Arbeitskreises Hydrokultur wurde 1976 auf Einladung von Gregg gegründet. In überaus intensiven Tagungen wurden Themen, wie Definition Begriff Hydrokultur, einheitliche Kulturtöpfe, Schulung von Betrieben und deren Mitarbeiter, Information nach ‚draußen‘, wie Ausstellungen (z.B. Bundesgartenschauen), Broschüren, Qualitätsprüfungen der Betriebe, Forschungsaufgaben, aufbereitet. Folgende Hydrokultur-Spezialisten waren diejenigen, welchen das heutige fachlich hoch stehende und einheitliche Niveau zu verdanken ist: Ball, Gaggenau; Boymann, Bad Iburg; Claussen, Wöllstadt; Funk, Langenselbold; Gregg, Castrop-Rauxel; Hartmann, Dortmund; Hoffmann, Münster; Mohr, München; Pluta, Berlin; Schumacher, Neuss; Wieck, Hamburg. Diese Herren wurden von einem breiten Kreis von Fachleuten am 21.10.1976 in diesen Arbeitskreis berufen und Ihnen außerdem die Aufgabe gestellt, die Gründung eines fachlichen Interessenverbandes vorzubereiten. In sehr vielen und intensiven Sitzungen kam man diesen Vorgaben nach und es wurde am 4.6.1977 der Fachverband Deutsche Hydrokultur gegründet, der spätere Fachverband Hydrokultur im Zentralverband Deutscher Gartenbau e.V.
Kaum ein anderer Zweig des deutschen Gartenbaues hatte in so kurzer Zeit eine so stürmische Entwicklung erlebt, wie die Hydrokultur mit Hilfe eben dieses Blähtons und dem dazu geschaffenen kompletten Systems. Das hatte mehrere Gründe:

1. Erst durch den Einsatz von Blähton kamen die Vorteile der Hydrokultur für den Verbraucher voll zum Tragen. Das Material ist pflanzenfreundlicher als die bisher bekannten, es hat die richtige Kapillarität, ist neutral und verhältnismäßig leicht im Gewicht.
2. Die durch den Fachverband geschaffene Normung von technischem Zubehör (z.B. Kulturtöpfe, Wasserstandsanzeiger) brachte eine Austauschbarkeit und damit eine Handelsfähigkeit am Markt.
3. Der Fachverband Hydrokultur trug immer wieder Anregungen für weitere Versuche an die Gartenbauwissenschaft heran, um größtmögliche Sicherheit für den ‚Verbraucher‘ in Ernährung, pflanzenunschädlichen Substrate, richtigem Gießen und anderen Dingen wie Licht usw.zu erreichen. In Folge der Ergebnisse erhielten alle Hydrokulturfreunde nicht nur eine längere, sondern ein lange Haltbarkeit der Hydrokulturpflanzen. Hier darf nicht unerwähnt bleiben, daß gerade in der Ernährung die Praxis bereits anfangs auf die oben erwähnten Versuchsergebnisse von Prof. Dr. Penningsfeld, Weihenstephan aufbauen konnte.

Zum Abschluß will ich an Frau Margot Schubert erinnern. Noch bevor Herr Baumann in der Schweiz mit seinen Versuchen begann, veröffentlichte Frau Schubert die ersten Informationen über Hydrokultur (allgemein) für die Pflanzenliebhaber. Als sich dann von Anfang an die Hydrokultur in Blähton bewährte, begleitete sie deren Weg voller Aufmerksamkeit und Sympathie. Ihr Buch "Blumenfreude durch Hydrokultur" sollte jeder Hydrokultur -Freund gelesen haben.

Update: 11.01.2017 11:00:24