Rosmarinus officinalis L.

Wollläuse – immer wieder ein Problem

 

An vielen Pflanzen in der Hydrokultur, vor allem an Grünpflanzen, sieht man sie immer wieder: wollige weiße Flocken, die in den Blattachseln und an den Blattunterseiten sitzen. Bei stärkerem Befall gibt es auch noch ein weiteres Anzeichen für den Befall: Fensterbank und Fußboden kleben vom Honigtau, den diese Schädlinge absondern.

Die Rede ist von den Wollläusen, auch Schmierläuse genannt.
Beide Begriffe bezeichnen Vertreter aus der Familie der Pseudococcidae.
Wie so viele Familien im Reich der Insekten ist auch diese reich an verschiedenen Gattungen und Arten.
Eines aber ist allen gemeinsam:
sie können sich in Massen vermehren.

Schäden durch Wollläuse Wollläuse schädigen auf verschiedene Weise:
  • Der Entzug von Pflanzensaft schwächt die Pflanze.
  • Als Reaktion auf die Saugtätigkeit können Blätter
    verkrüppeln.
  • Manche Arten können Viruskrankheiten übertragen, die zu Verfärbungen oder Verkrüppelungen der Blätter führen können.
  • Die Ausscheidung von Honigtau verklebt Fußböden und Mobiliar.
  • Auf dem Honigtau können sich Rußtaupilze ansiedeln, die sich von dem Honigtau ernähren. Sie mindern die Lichtmenge, die auf das Blatt trifft und zur Photosynthese gebraucht wird, und schwächen daher
    die Pflanze indirekt.


Schnelle Befallsentwicklung durch hohe Vermehrungsrate
Wollläuse können sich relativ schnell fortpflanzen. Unter
optimalen Bedingungen können sich im Jahr bis zu 15 Generationen entwikkeln.
Bedenkt man, dass ein Weibchen etwa 500 Eier ablegen
kann wird schnell deutlich, warum aus einem leichten Anfangsbefall so schnell ein Problem werden kann.

Bei den meisten Wolllaus-Arten treten nur Weibchen auf, die ohne Befruchtung Eier legen können. Nur bei wenigen Arten sind Männchen bekannt, die interessanter Weise eher Weißen Fliegen ähneln. Sie sterben oft schon wenige Tage nach der Befruchtung der Weibchen.
An das Klima stellen Wollläuse keine großen Ansprüche.
Sie können sich sowohl unter geringer als auch unter Luftfeuchte gut entwikkeln.
Einige Arten schützen ihre Eier vor Austrocknung, indem sie besonders viel Wachswolle ausscheiden und die Eier darin ablegen.
Auf diese Weise ist im Inneren ein feuchtes Mikroklima gewährleistet.

Verschiedene Bekämpfungsstrategien
Wollläuse haben einen raffinierten Mechanismus, wie sie sich gegen Bkämpfungsversuche mit herkömmlichen Spritzmitteln
wehren:
die Wachsausscheidungen lassen viele Präparate einfach abperlen, ohne das sie den Körper der Laus erreichen ud dort wirksam werden können. Daher kommen zwei unterrschiedliche Bekämpfungsstrategien in Frage:

ölhaltige Spritzmittel
Sie legen sich wie ein Film über die Tiere und ersticken sie, wie z.B. Promanal Neu.

Dieses paraffinölhaltige Präparat wird einfach auf die Pflanzen gespritzt. Wichtig ist, die Blattunterseiten sowie
die Blattachseln tropfnass zu spritzen. Denn nur die Tiere, die getroffen werden, sterben auch ab. Da dies mit einem einzigen Spritzgang nicht erreicht werden kann, muss die Behandlung nach einer Woche wiederholt
werden.

Promanal Neu sollte, ebenso wie viele andere ölhaltige Präparate, nur an hartlaubigen Pflanzen eingesetzt werden.
Pflanzen mit weichem Laub vertragen Öle in der Regel nicht. Im Zweifelsfall sollte eine Probespritzung an einen Trieb vorgenommen werden um die Verträglichkeit zu prüfen.
Einsatz von nützlichen Insekten, die die Wollläuse auffressen oder anders abtöten.

Die Alternative zum Einsatz von Spritzmitteln sind die Nützlinge.
 

Es handelt sich dabei um unterschiedlichen Arten von nützlichen Insekten, die gegen die Wollläuse eingesetzt werden können.
Werden ein paar Voraussetzungen für ihren Einsatz erfüllt, können sie einen Befall tilgen. Da die Tiere meist
sehr klein sind, ist eine Belästigung von Menschen oder
auch Tieren nicht zu erwarten.

Geöffnete Türen und Fenster sind kein Problem, denn die Tiere bleiben an den Pflanzen, wo sie ihre Nahrung finden. Sind alle Schädlinge vertilgt, verhungern die Nützlinge. Sie können nicht auf andere Nahrung ausweichen. Daher müssen sie bei einem später auftretenden erneuten Befall auch erneut eingesetzt werden.
Nur in sehr großen Pflanzenbeständen kommt es vor, dass sich ein Gleichgewicht einstellt zwischen Schädlingen und Nützlingen.

Voraussetzungen für den Nützlingseinsatz
Nur wenn die Ansprüche der Nützlinge erfüllt werden, können sie optimal arbeiten. Dazu gehört:
  • Tagestemperaturen von 18 bis 20 grdC
  • Beim Einsatz von Marienkäfern tropfbares Wasser zum Trinken, d.h. die Pflanzen sollten mehrfach pro Woche übersprüht werden
  • Etwa 6 Wochen vor dem Einsatz kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Einige Präparate haben noch längere Wartezeiten, daher
am besten Rücksprache mit dem Nützlingsbetrieb.
Ausnahme: z.B. Neudosan und Promanal können
noch einen Tag vor dem Einsatz ausgebracht werden.
  • Der Befall sollte im Anfangsstadium sein. Kleben die Pflanzen bereits vom Honigtau, sollte zunächst durch Schnitt- und Spritzmaßnahmen der Befall dezimiert werden.
  • Die Nützlinge müssen sofort nach der Ankunft ausgebracht werden. Eine Lagerung ist nicht möglich.


Vorteile des Nützlingseinsatzes
Der Nützlingseinsatz hat viele Vorteile, sowohl für den Anwender als auch für die
Pflanzen.
Diese sind:
  • rein biologisches Verfahren
  • keine gesundheitlichen Risiken für den Anwender
  • keine Gefährdung von Haustier oder Pflanze
  • keine Unverträglichkeitsreaktionen der Pflanze
  • keine schädlichen Rückstände auf Pflanze oder Erde
  • keine Umweltbelastung
  • keine Einhaltung von Wartezeiten notwendig
  • schnelle Anwendung ohne zusätzlichen Aufwand; keine
    speziellen Geräte notwendig
  • einfache Anwendung auch an hohen Pflanzen, die mit
    Spritzgeräten nur schlecht zu behandeln sind
  • auch wirksam gegen resistente Schädlinge
  • vorhandene Nützlinge werden geschont


Nützlinge gegen Wollläuse
Im Hobbybereich können gegen Wollläuse am besten die Australischen Marienkäfer eingesetzt werden. Die erwachsenen Käfer sind etwas kleiner als unsere heimischen Marienkäfer, schwarz gefärbt mit orange farbenem Kopf und Hinterleib. Ihre Larven, d.h. die Jungstadien der Käfer, sehen den Wollläusen zum Verwechseln ähnlich, sind aber größer und beweglicher.

Auch sie fressen Wollläuse. Die Entwicklung vom Ei zum erwachsenen Käfer dauert ca. 65 Tage.
Ein Käfer kann im Verlauf seiner Entwicklung ca. 300 Wollläuse vertilgen.
Für den Profibereich werden zusätzlich verschiedene Schlupfwespen angeboten.

Sie parasitieren die Wollläuse.
Das heißt die Weibchen stechen mit ihrem Legestachel ein Loch in die Wolllaus und legen ein Ei hinein. Im Inneren der Wolllaus entwikkelt sich aus dem Ei eine Larve, die die Laus von innen her auffrisst. Die Wolllaus bläht sich dabei auf und bekommt eine harte Außenhaut.
Aus der abgetöteten Wolllaus schlüpft dann nach ca. 1 Woche die erwachsene Schlupfwespe, und der Zyklus beginnt von neuem.
Da die Schlupfwespen sehr spezifisch nur bestimmte
Wolllaus-Arten parasitieren, ist hier eine Bestimmung der
Art Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz.

So sind die Nützlinge erhältlich
Die nützlichen Helfer können vom Hobbygärtner über ein Gutscheinsystem im Fachhandel bestellt werden. Per Post werden die Nützlinge samt ausführlicher Gebrauchsanweisung dann unverzüglich vom Nützlingsbetrieb zum Anwender geschickt.

(03.11.2006)
(01.06.2012)
Update: 01.06.2012 00:00:00