Dracaena Salisb.

Das Original - Hydrokultur - System

© Stefan Hecktor

nach Gesprächen und Aufzeichnungen von Gerhard Baumann, Ittingen

Oft werden wir gefragt, wie das System Hydrokultur entstanden ist. In unserer Festschrift zum 50 Jahre Jubelfest der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur berichtete Wolfgang Mohr über die Anfänge der gärt-nerischen Hydrokultur in Blähton. Heute möchten wir Ihnen die Entwicklungsgeschichte nach den Berichten zweier Pioniere wiedergeben.

Gerhard Baumann



Gerhard Baumann ist der Innovator des Luwasa-Hydrokultursystems. Es ist das erste in sich gut funktionierende System, das auf den Markt gelangte und sich seit 1968 weltweit durchgesetzt hat. Es war keine Augenblickerfindung, sondern wurde im Laufe von Jahren Schritt für Schritt von Gerhard Baumann zusammengetragen.

Gerhard Baumann erlernte zwei Berufe, zunächst Lehre im elterlichen Baugeschäft und später kaufmännische Ausbildung. Als Branchenfremder war er also nicht vorbelastet, bzw. traditionell mit der Erdkultur verbunden.
Da das Baugeschäft oft zu Renovierungsarbeiten an Verschmutzten Balkonfassaden herangezogen wurde, entdeckte er, dass der Hauptverursacher das Wasser aus den Balkonkästen war. Da Baumann schon früh vor Rationalisierungsaufgaben gestellt wurde, begann ihn
auch dieses Problem zu interessieren.

Durch Studium der entsprechenden Fachliteratur, unter anderem Berichte aus Weihenstephan über Torfkultur, entwickelte er neue Pflanzgefäße mit einer neuen Bewässerungsmethode. Mit Hilfe eine Gießrohres gelangt das Wasser auf den Gefäßboden und wird dort von einer Schicht Leca-Kies und einer Glasfasermatte aufgenommen.
Das Gefäß besitzt seitlich eine Kontroll - Sicherheitsöffnung, die ein Übergießen verhindert. Gepflanzt wird wie gewohnt mit Erde oder Torf über der Glasfasermatte.
Baumann orientierte sich also nicht an irgendeinem Hydrosystem (Tankkultur, Kieskultur, Torfkultur), sondern machte sich die Erkenntnisse der Forschung zu eigen, zur Lösung seines eigenen Problems.

Die neuen Blumenkästen, 'Eternit-Pflanzgefäße automatic' funktionierten gut und gingen mit Lizenz in die Vermarktung.
Durch diesen Erfolg motiviert, führte er sein Hobby weiter und diesmal mit Hinblick auf Zimmerpflanzen. Er informierte sich über die bisher bekannten Substrate, mietet ein kleines Gewächshaus und führte während seiner Freizeit Vegetationsversuche mit Quarzsand durch. In dieser Zeit kreierte er den Namen LU-WA-SA, Luft - Wasser - Sand. Später experimentierte er mit Blähton, mit dem er schon als Baumaterial vertraut war, fand die richtige Korngröße heraus und entschied sich endgültig für Blähton als Substrat. Nach und nach
entwickelte er ein gut funktionierendes Hydrokultursystem mit allem heute bekannten Zubehör.

Um dieses System in der Praxis zu erproben, richtete Baumann in öffentlichen und privaten Häusern Hydrokulturarrangements auf eigene Kosten ein und beobachtete sie, bis alle Mängel beseitigt waren. Mit dieser Maßnahme bereitete er gleichzeitig seinem System den Weg zum Markt. Denn Lange bevor das System am Markt zu kaufen war, konnte die Öffentlichkeit sich schon von der Bonität des neuen Produktes überzeugen. Auch an raumgestalterischen Effekten interessiert, arbeitet er mit internationalen Designern die verschiedensten Pflanzgefäße aus.
So wurde das Hobby zum Beruf.

Baumann begann Anfang der 60er Jahre als Leiter der der Abteilung Hydrokultur bei der Samengroßhandelsfirma G.R. Vatter AG in Bern.
Diese Firma übernahm den ersten Vertrieb des verkaufsreifen LUWASASystems. Der neue Sektor entwickelte sich aber derart rasch, dass 1968 die selbstständige Aktiengesellschaft Interhydro AG gebildet wurde.

Günter Gregg

Günter Gregg gründete 1946 seine erste Gärtnerei in Dortmund. Seit einem Anstoß aus Italien 1949 beschäftigte er sich mit der Kultur erdeloser Pflanzen. Seine Begeisterung wurde von der offensichtlichen Frohwüchsigkeit der Zierpflanzen in Nährlösungen getragen. Viele mineralische Körnungen und Kunststoffe wurden von ihm als mögliches Kultursubstrat getestet. So besaß er umfangreiche Kulturerkenntnisse und Erfahrungen mit der generativen und vegetativen Vermehrung und Anzucht erdeloser Pflanzen.

1971 begegneten sich Gerhard Baumann und Günter Gregg auf einer Gartenbau-Veranstaltung in Wangen in der Schweiz. Gerhard Baumann propagierte die Hydrokultur, hatte aber keine erdelosen Pflanzen.

Günter Gregg kultivierte zu dieser Zeit verkaufsfertige Grünpflanzen in Steinwolle (Grodan aus Dänemark).
Die Kulturerfolge mit Grodan im Betrieb waren großartig. Aber im privaten Bereich gab es Probleme in der Pflege. Grund genug für Gregg mit Blähton in unterschiedlichen Körnungen zu beginnen. Die Kulturerfolge stellten sich ein.

Nach verschiedenen Gesprächen und Besuchen verständigte man sich 1973 auf der Basis der Zusammenführung der gewonnenen Erkenntnisse, Erfahrungen und gemeinsamer Aussagen im Markt auf eine freundschaftliche Zusammenarbeit.
Danach entwickelte Günter Gregg die notwendig gewordenen neuen Gittertöpfe für Anzucht mit unterschiedlichem Durchmesser bei gleicher Topfhöhe. Diese Anzuchttöpfe waren erforderlich für das Kultivieren im Anstauverfahren oder in Nährlösungsumläufen.
Damit können erdelose Pflanzen von klein an im mineralischen Substrat kultiviert werden.

1977 gründete auch Gregg seine Vermarktungfirma HYGRENO ( = Hydrokultur Gregg Nordkirchen).
Die Vorleistungen der beiden Hydrokultur-Pioniere Gerhard Baumann und Günter Gregg wurden durch den Arbeitskreis Hydrokultur (heute Fachverband Hydrokultur) übernommen und propagiert.

Grundlagen des Original - Hydrokultur - Systems:

• Substrat Blähton - sauber, sicher neutral

• Gefäß - wasserdicht, säurefest, neutral

• Wasser - Trinkwasserqualität

• Dünger - anorganisch, wasserlösliche Salze oder Langzeitdünger auf Ionenaustauscher-Basis

• Nährlösung - Anstau in Ebbe und Flut mit den drei kapillaren Zonen :


1. Wasserführende Zone
2. Feuchtzone (gut belüftet)
3. Trockenzone

Update: 11.01.2017 10:58:35