Crassula ovata (Mill.) Druce

Ein Leben für die Pflanzen

© Günter Gregg - Ehrenpräsident der DGHK

"Entwicklung der Pflanzenanzucht in Hydrokultur und
Pflanzenhaltung in Gefäßen ohne Erde"

Am 30.06.1945, nach ca. drei Jahren Kriegsdienst bei den Pionieren im Osten, aus der Gefangenschaft in Mitteldeutschland geflohen, machte ich mich im August 1945 selbständig und gründete einen Gartenbaubetrieb. Nach der Währungsreform 1948 - suchte ich etwas "Besonderes", um mich zu spezialisieren. Mein Freund Paul Balster begann in Unna mit Einheitserde nach Prof. Fruhsdorfer und ich in Dortmund-Kirchlinde, mit Pflanzenanzuchten für den Verkauf an die Blumengeschäfte in Dortmund und im Umkreis bis ca. 50 km. Gut 100 Jahre nach den bedeutendsten Erkenntnissen in der Agrarwirtschaft zum Thema: "was brauchen Pflanzen wirklich um gesund zu leben?" mit der Dokumentation von Prof. Justus von Liebig - 1840 -, lernte ich 1949 durch Klaus Brotte, Grünpflanzen in kugelförmigen Wasservasen aus Italien in Hydrokultur, kennen. Ich war überrascht und begeistert zugleich.

Als frischer Gärtnermeister, Jahrgang 1924, anerkannter Ausbilder und Prüfungsmeister durch das PrüfungsGremium der LWK in Münster 1948, versuchte ich mutig dieses völlig neue Kultur-Erlebnis zu begreifen.
Die Pflanzen wuchsen in Klarglaskugelvasen. Sie waren als Topfpflanzen in Erde kultiviert und zur Umstellung, durch Auswaschen der Wurzeln, von Erde völlig befreit. Ihre Wurzeln wurden nach Zuschnitt durch Bakalitdeckel mit entsprechenden Bohrungen ins Gefäß geführt und wuchsen nun in dem mineralisch gedüngten Wasser. Bis in ca. 1/3 der Gefäßhöhe sah man den Wasserstand bzw. die Nährlösung. Das in der Nährlösung sichtbare Wurzelwerk war sehr gesund und gut verzweigt. Die Wurzeln über der Nährlösung, in dem durch die Bohrungen von oben gut belüfteten Raum unter dem Bakalitdeckel, waren ebenfalls sehr gesund und leicht verholzt. Festen Halt hatten die Pflanzen durch eine Abdeckung der Gefäße mit Flusskiesel; in Größe kleiner Kinderfäuste.

Mit dem Kauf von 1000 Stück 1 Liter Sturzgläsern (Einmachgläser im Haushalt) begann ich meine Hydrokultur, mit Auswaschen von Zimmerpflanzen und Führung der blanken Wurzeln, durch die schon beschriebenen Bakalitdeckel. Diese Arbeit machte keine Freude. Ich wagte dann eine anorganische Düngerbeigabe eigener Prägung zu jedem Nachgießen. Das Wachstum war eine wahre Freude. Es übertraf alle Erwartungen. Die Düngung war gelungen. Die erste unangenehme Überraschung war ein extrem starker Algenbewuchs hinter dem durchsichtigen Glas.

Für den Verkauf besorgte ich Keramikgefässe.
So gut und schön diese Pflanzen waren - kein Blumengeschäft wollte Pflanzen in Wasser verkaufen. Mal zur Dekoration in´s Schaufenster ja, aber da blieben sie auch stehen.
Es war nun mein Ehrgeiz, Pflanzensubstrate zu finden, in dem die Pflanzen Halt fanden und ebenso gesund wachsen konnten, wie ich es mit den Wasservasen in Nährlösung kennengelernt hatte.


Mein berufliches Ziel wurde mir plötzlich klar: Pflanzen kultivieren zur Pflanzenhaltung in Gefäßen, für Innen und Außen!
1. Ziel war das Erreichen einer kontrollierbaren, steuerbaren Wasserversorgung und Ernährung. Mit Brechkoks Nr. 4 und geschlagenem Ziegelsplitt fing ich an, danach mit Lava und Bimskies. Ich versuchte alle möglichen Substrate und Mischungen. Es scheiterte jeweils an der Wasserhaltung oder an der Kapillarität, oder an beiden Dingen, durch mangelhafte Materialtauglichkeit.

Es war ein mühsamer Weg mit vielen Stolpersteinen, aber auch mit guten, brauchbaren neuen Erkenntnissen.
Zum Beispiel: "Viele Pflanzen leben in der Natur über oder zwischen mineralischem Gestein, gesteuert wird das Pflanzenwachstum durch die Wasserversorgung"! In Dänemark wurde ich auf Grodan (Steinwolle) aufmerksam. Gleichzeitig lernte ich einen Chemiker kennen, der auch ein großer Pflanzenliebhaber war. Gemeinsam besuchten wir etliche Gärtnereien; auch in Schweden und Norwegen. Überall versuchte man mit Hilfe von Steinwolle Gemüse zu kultivieren. Die jeweiligen Gespräche waren für alle Beteiligten interessant und auch sehr hilfreich. Das pufferlose Substrat musste von allen überzeugend begriffen werden.

In Schweden lernte ich einen Chemiker kennen, der mir half, die Ernährungsprobleme für alle Hydrokulturen zu erkennen und langfristig zu lösen. Der optimierte Einsatz von mineralischen Salzen und die verbesserten Kenntnisse im Umgang mit Näherlösung wurden durch unsere Erfolge in den Pflanzen-Kulturen honoriert.

Gegen Ende der 60er Jahre begann ich daraufhin, auf Grund der guten Kulturerfolge, mit großer Begeisterung ein eindrucksvolles Grünpflanzen-Sortiment in Castrop-Rauxel aufzubauen.
Durch die seit 1950 bestehenden guten Geschäftskontakte zu Amerika, auch zu Saatgut-Sammlern, konnte ich verschiedene, für Europa noch fremde Grünpflanzen, generativ vermehren und in allen gewünschten Proportionen und Größen kultivieren und anbieten.

Auch meine Besuche in Florida und Mittelamerika waren beruflich sehr wertvoll und besonders hilfreich durch Kennenlernen der natürlichen Bodenverhältnisse. Über 40 in Europa noch unbekannte Topfpflanzen führte ich ein, nahm sie in Kultur und suchte schon bald neue weitere Kulturflächen für Grünpflanzen in erdeloser Kultur (Hydrokultur) in Gefäßen. Nach eigenen Kulturversuchen mit Steinwolle hegte ich zunächst große Hoffnung auf die Eignung als Kultursubstrat für eine verlässliche Pflanzenhaltung in Gefäßen. Nach dem Verlassen der gleichmässig temperierten Gewächshäuser vertrugen die Wurzeln in Steinwolle die Klimaunterschiede bei der nicht steuerbaren Wasserhaltung in Anwendungsbereichen beim Kunden nicht. Es gab sehr grosse Schäden.

Die Pflanzenernährung mit unserem eigenen Volldünger erwies sich als voll gelungen.
Jedem Gießwasser fügten wir Volldünger zu. Die Kontrolle unserer Pflanzenernährung wurde durch die LWK Münster durchgeführt und überwacht. Alle Kulturen, ob noch in Erdsubstrat oder in verschiedenen Kulturversuchen in anorganischem Material, wurden auch permanent mit gleicher Nährlösung versorgt und gab mir die notwendige Sicherheit, den Flüssigdünger auch auf den Markt zu bringen. Verschiedene Substrate, wie Lecadan oder Grolit, habe ich als Gemisch - Blähton mit Grodan - auf den Markt gebracht, auch zum verarbeiten von Erdkulturen in anorganischen Substraten, für Außenanlagen und Dachbegrünungen. Lecadan war das erste Gemisch mit Grodan, wurde aber nach wenigen Jahren mit gebrochenem Blähton hergestellt und auf die Grodan-Beimischung verzichtet.

Anfang der 70er Jahre machte ich mich mehr und mehr mit gutem Blähton vertraut.
Das Auswaschen von Pflanzenanzuchten aus Erdsubstrat fand ich beruflich unwürdig. Daraufhin gab ich für die Hydrokultur den Blähtonproduktionsunternehmen die notwendigen Körnungen und die unverzichtbare Wasserhaltung vor und ließ eine völlig neue Generation von Vermehrungs- und Kulturtöpfen herstellen, die seitdem weltweit im Einsatz als Anzucht-Töpfe sind, mit gleichen Topfhöhen bei unterschiedlichen Durchmessern. Damit wurde es möglich, alle neuen Kulturanlagen zu automatisieren und exakt zu steuern. Auch etliche Kollegen aus den Nachbarländern, vornehmlich aus Holland, haben fortlaufend meine neue betriebliche Entwicklung mit den erdelosen Anzuchten aufmerksam verfolgt. Meine Idee zur Herstellung der Korkstäbe erleichterte manche Pflanzenproduktion.Die Pflanzen an Korkstäben wachsen selbständig, locker und frei mit harmonischem Blattschmuck und sind vielfältig verwendbar. Auf Grund dieser überaus positiven Erfahrung wurden ab 1974, nach Umstellen der Kulturflächen, alle Topfpflanzen in Dortmund und Castrop-Rauxel erdelos kultiviert. Die Kulturflächen in Nordkirchen wurden seit Beginn entsprechend angelegt.

Das gesteuerte, völlig neue Versorgen der Pflanzen durch Nährlösungen als "Geschlossenes System" , haben wir erstmals 1978 offiziell vorgestellt und beweisen können, dass es keinerlei pilzliche oder tierische Schädiger in anorganischem Substrat geben kann, weil es dazu für diese keine Lebensmöglichkeit wie bei normaler Kultur gibt. Diese Erkenntnis wurde entsprechend veröffentlicht.

Mein "Geschlossenes Kultur System" wurde auf der IPM in Essen vom Land NRW hoch ausgezeichnet.
Heute ist es die erfolgreiche Norm beim Kultivieren unter Glas! Besonders die betriebliche Pflanzenernährung mit Grenosan in pufferfreiem Kultursubstrat war völlig neu und weckte entsprechende Aufmerksamkeit. Seitdem gab es nicht einen Anlass, an der Pflanzenernährung mit unserem Grenosan für Pflanzenkulturen in Erdsubstraten, unter Glas wie im Freien, oder in mineralischem Substrat, etwas zu verändern.

Das gleiche gilt für die sehr bewährte Sprühmittelpflege, auf die man vor allem in der Innenraumbegrünung nicht verzichten sollte. Sprühpflegemittel sind zuverlässig und stärken das pflanzeneigene Immunsystem. Um dem Kind auch einen Namen zu geben, entschied ich mich für die Abkürzung von: Gregg Nordkirchen ? GreNo! So entstand Grenosan, wie auch Biogreno; Grenovit steht für Vitamine, weil das Wort "Vitamin" nur mit Bezug auf den Menschen verwendet werden darf.
  • Grenosan ? Volldünger
  • Biogreno ? Blattglanz
  • Grenovit ? Sprühpflege


Die erdelosen Kulturen (Hydrokulturen) haben inzwischen in der Agrarwirtschaft weltweit überzeugt.
Es werden auch immer mal wieder neue Substrate gefunden. Für die langlebige Pflanzenhaltung in Gefäßen, wie für Dauerkulturen haben mineralische Substrate sich hervorragend bewährt, durch einen beständigen Luftaustausch im Substrat. Oasen in den Wüsten als Vergleich, werden auch sehr alt.

Große Denker - Wissenschaftler - Praktiker haben das natürliche System der so genannten Hydrokultur erkannt und praktikabel zur Sicherung unserer Ernährung - wie auch zur Luftfilterung in Innenräumen - praktikabel gemacht.

Das Leben Standort gebundener Pflanzen verlangt System - auch in der freien Natur. Wir müssen es erkennen und für unsere Kulturzwecke nach vollziehen. (GG)

Update: 07.06.2016 13:51:13