Dracaena Salisb.

Einblicke in die geheimnisvolle Welt des Blähtons

© Ah Kee Clausen-Hoormann

Warum eigentlich Blähton? — Die Blähtonhersteller berichten
Seit mit Beginn der 70er Jahre die Hydrokultur mehr und mehr auch in den privaten Bereich Einzug gefunden hat, ist unter anderem eine Komponente zum unverwechselbaren Erkennungszeichen für Hydrokultur geworden, nämlich der Blähton.

Was ist eigentlich nun Blähton und warum hat sich gerade dieser als Substrat bei allen Profis und Hobbygärtnern durchgesetztFangen wir mit der Herkunft an. Wie der Name bereits beinhaltet, ist die Herstellungbasis Ton. Ton ist eigentlich ein Allerweltsrohstoff und die geologische Bezeichnung für Böden mit einer Teilchengröße kleiner als 0,002 mm. Diese mineralischen Kleinstteilchen entstehen zu einem großen Teil durch Erosion, d. h. Verwitterung von Gesteinen, zum anderen aber auch durch Zersetzung unter Sauerstoffeinfluß und damit Mineralisation von organischen Stoffen. So können Seen und kleinere Meere “verlanden” und durch die Sedimentation, d. h. Absetzen dieser feinen Mineralstoffe mächtige Tonschichten bilden. Werden die organischen Bestandteile vor ihrer Umwandlung zum Mineral von Sauerstoff abgeschlossen, kann sich der darin noch enthaltene Kohlenstoff zu Erdöl, Kohle oder Erdgas umbilden.


Ton ist also ein mineralischer Rohstoff und zählt zu den Sedimenten, der mit ca. 73 % Anteil an der Erdoberfläche am häufigsten vorkommenden Gesteinsart. Um hieraus jedoch Blähton – in unserem Falle für die Hydrokultur – machen zu können, muß der Ton noch einige Voraussetzungen erfüllen. Als erstes muß er “blähfähig” sein. Diese Eigenschaft haben Tone, die unter anderem noch einen Restanteil organischer Stoffe, genauer gesagt Kohlenstoffverbindungen aufweisen.

Zum zweiten aber, und das ist für unsere Hydrokultur besonders wichtig, muß das Tonvorkommen in seiner Zusammensetzung so beschaffen sein, daß am Ende des Herstellungsprozeßes der Blähton bestimmte chemische Eigenschaften besitzt. Als zwei wichtige Faktoren seien hier u. a. der Salz- und Fluoridgehalt genannt, die bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten dürfen, um nicht phytotoxisch, also pflanzenschädigend zu wirken.

Neben diesen wichtigen chemischen Eigenschaften sind aber auch die sogen. physikalischen Merkmale des Blähtonkorns für die Wachstumsbedingungen mit von entscheidener Bedeutung. Im Gegensatz zu der häufig bei Blähtonen für den
Baubereich anzutreffenden rundlichen bis runden Kornform (was auch für bestimmte Anwendungen in der Betontechnologie Sinn macht) weisen professionelle Hydrokultur-Blähtone eine nierenförmige, vernarbte Struktur auf, und das hat durchaus seinen Grund:

Zum einen bietet die hierdurch stark vergrößerte Oberfläche den Haarwurzeln der Pflanzen einen besseren Bodenschluss, d. h. Verklammerungsmöglichkeiten, wodurch das im Korninnern gespeicherte Wasser effektiver genutzt wird. Zum zweiten bildet eine unregelmäßig geformte Kornstruktur im Gefäß wesentlich mehr Kapillarspalten, was zusammen mit der größeren Oberfläche zur besseren Wasserführung durch Oberflächenanhaftung und Kapillarwasser führt. Außerdem besitzt das Substrat eine höhere Scherfestigkeit und sorgt für einen stabilen Halt der Pflanzen.

Zur Sicherheit des Verbrauchers und der Anwender gibt es auf dem Markt bekannte Markenprodukte, die einer staatlichen Qualitätskontrolle durch die Fachhochschule Weihenstephan unterliegen und entsprechend gekennzeichnet sind.

Die eigentliche Herstellung beginnt bereits in der Tongrube mit dem Abbau und Vormischen der einzelnen Tonschichten. Schon hier entscheidet das anschließende “Ruhen” durch Oxidation mit über die spätere Endqualität. Danach wird der Ton von groben Steinen befreit, mit großen, tonnenschweren Walzen durchgewalkt und dadurch homogenisiert, nochmals mehrfach durchgemischt und einem Drehrohrofen zugeführt.

Nach dem Trockenvorgang bei 300 bis 800 Grad Celsius bei dem gleichzeitig der Ton durch Ofeneinbauten zerkleinert und granuliert wird, erfolgt der eigentliche Blähprozess bei einer Temperatur von ca. 1000 Grad Celsius.

Hierbei geschieht folgendes: Die Außenhaut des Tonkügelchens erreicht den Schmelzpunkt und sintert, d. h. backt zusammen und wird dadurch dichter. Gleichzeitig vergasen, bzw. verbrennen die organischen Bestandteile (Kohlenstoffverbindungen) im Inneren und erhöhen zusätzlich die Temperatur und überschreiten den Schmelzpunkt des Tones. Ein zusätzlicher Bläheffekt entsteht durch die bei diesen hohen Temperaturen einsetzende Sauerstoffabspaltung der im Ton enthaltenen Oxide.

Dies geschieht in relativ kurzer Zeit, so dass die Gase nicht schnell genug ausdiffundieren können und Gasporen bilden, die den Ton aufblähen. Es entsteht ein Korn mit einer stabilen Außenhaut mit einem feinporigen, luftdurchsetzten Kern mit seinen vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
Was aber macht dieses Korn für die Hydrokultur so ideal? Zunächst einmal die unübertroffene Gleichmäßigkeit seiner Eigenschaften. Anders als bei natürlich vorkommenden Mineralien, bei denen der Produzent "Zufall" seine Hand mit im Spiel hatte, können bei den Blähtonen – bei entsprechendem Rohton – die Endqualitäten durch Prozeßsteuerung und –überwachung genau festgelegt werden. Ein wichtiger Grund für Pflanzenproduzenten, die Ihre Kulturführung somit exakt auf das Optimum einstellen können.

Die herausragenden Eigenschaften selbst sind:

Leichtes Gewicht
Keramische Eigenschaften – stabil
Unverrottbar
steril
Definierte, begrenzte Wassersteighöhe (Wasser bleibt im Wurzelraum)
Kein Nährboden für Pilze und Keime
Wasser- und luftregulierende Eigenschaften sowie Wiederbenetzbarkeit bleiben praktisch unbegrenzt erhalten.

Betrachtet man sich so ein Blähtonkorn einmal genauer, so wird schnell klar, wie Wasserspeicherung und
–transport funktionieren: Die Oberfläche gleicht einer Minikraterlandschaft mit unzähligen Mikroporen. Die rauhe Oberfläche bietet viel Platz für anhaftendes Wasser und sorgt für einen guten Wassertransport. Die Oberflächenporen lassen langsam das Wasser in das Korn eindringen und halten es dort im Labyrinth des inneren Porengefüges pflanzenverfügbar fest.

Übrigens, wußten Sie, daß Sie mit der gesamten, inneren Porenoberfläche eines Kornes Ihr Wohnzimmer auslegen könnten?
1 Gramm Blähton, das entspricht in etwa einem großen Korn, hat eine innere Öberfläche von ca. 22 m².

Dies ist auch der Grund, weshalb neueste wissenschaftliche Untersuchungen darauf hindeuten, daß Blähton sehr wohl in der Lage ist, überschüssige Nährstoffe in Form von Microkristallen an der inneren Oberfläche zu speichern und bei Bedarf auch wieder abzugeben. Insofern kommen dem Blähton nicht nur wasser- und luftregulierende Eigenschaften zu, sondern auch die Nährstoffversorung der Pflanzen wird positiv beeinflußt. (ACH)

(24.08.2006)
(11.03.2011)
Update: 28.10.2011 00:00:00