Blühende Eucharris

Pflanzen machen munter

© Volksblatt Linz

Computer und Pflanzen stören einander nicht, im Gegenteil, sie harmonieren wunderbar

Geht man hinaus ins Grüne, dann hat das einen erholsamen Effekt auf Körper und Seele. Der TraunerWolfgang Weitmann (54) holt als Innenraumbegrüner wohltuendes Grün gezielt ins Haus, vor allem in Büros, aber auch in Privaträume. Und weiß aus Erfahrung, dass die positiven Auswirkungen sich nicht nur in mehr Leistungsfähigkeit und Motivation widerspiegeln, sondern auch im Geldbörsel spürbar sind. Warum? "Weil man mit Pflanzen Gesundheit in Innenräume bringt".

 "Computer und Pflanzen stören einander nicht, im Gegenteil, sie harmonieren wunderbar", sagt Weitmann. Wer Grün aus der Natur bei der Arbeit immer im Blickfeld habe, sorge für eine Entlastung der Augen, für Luftbefeuchtung und verlängere damit die Zeit, in der effektiv gearbeitet werden könne. Eine grüne Pflanze neben jedem Computer stehen zu haben, sei daher eine Maßnahme, die verpflichtend auf jedem Arbeitsplatz eingeführt werden sollte. Pflanzen können aber noch viel mehr, an oberster Stelle sieht Weitmann die psychische Wirkung: "Grün sorgt dafür, dass man sich wohlfühlt und aufatmen kann". Arbeitgeber seien heute auch für die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter mitverantwortlich, mit viel Grün könne man da vorsorgen. "Auf die Farbe Grün zu schauen, kostet ein Achtel der Energie, die man benötigt, wenn man auf Rot blickt." Der gezielte Einsatz von Pflanzen reduziere die Müdigkeit um bis zu 30 Prozent, Kopfschmerzen und Schwindel, verstopfte Nase, Heiserkeit oder Husten können sich verringern. Im Rahmen einer Studie bei BMW in München wurde in einem mit richtig viel Grün gestalteten Büro nach dem Abschalten der Klimaanlage festgestellt, dass Pflanzen neben den vielen anderen positiven Effekten auch die Raumtemperatur um zwei Grad absenken können. In dieser gesunden Atmosphäre waren sogar die Krankenstände rückläufig.

Schon Weitmanns Vater besaß eine Gärtnerei: "Statt Fußball und Tischtennis zu spielen, habe ich schon als Kind Pflanzen gezogen". Während des Studiums der Wirtschaftsinformatik holte ihn sein Vater in den Familienbetrieb. Nach zehn Jahren klassischer Gärtnerei fing Weitmann an, sich auf die Begrünung von Innenräumen zu spezialisieren und zählt damit – eigenen Worten zufolge – zu einer "seltenen Spezies": "Mir war das Gesundheitsthema ein Anliegen." Unter seinen fünf Mitarbeitern befinden sich zwei seiner Kinder, die auch ihre Lehre hier absolviert haben. Einmal im Jahr begibt sich Weitmann auf Studienreise nach Holland, Belgien, Frankreich und Deutschland, um auf dem neuesten Stand zu sein und er absolviert regelmäßig Fortbildungen an der Uni Weihenstephan. Dabei geht es etwa auch um den Einsatz von Licht und Glas oder um das Raumklima im Zusammenhang mit Pflanzen.

Comeback der Hydrokultur
Pflanzen sind natürliche Luftbefeuchter und sorgen so für ein gesundes Raumklima. Sie nehmen durch ihre Wurzeln Wasser auf, transportieren es in die Blätter, wo sie die Feuchtigkeit über die Unterseite wieder an die Umgebung abgeben. "Am besten funktioniere das mit Hydrokulturen", so Weitmann: "Von zehn Litern Wasser in einer Hydrokultur gehen 9,5 Liter in die Raumluft. " Die Luftfeuchtigkeit sorge dafür, dass die Schleimhäute besser befeuchtet werden und man weniger anfällig für Angriffe von Viren und Bakterien sei. Auch die Augen werden besser befeuchtet und sogar die Haut geschmeidiger. Gerade bei Passivhäusern würden viele über trockene Haut und rote Augen klagen, der Grund dafür liege häufig in trockener Raumluft: "Die Luftfeuchtigkeit beträgt dort oft nur 15 bis 30 Prozent, ideal wären 40 bis 50 Prozent. "

Pflanzen reduzieren auch Staub, indem sie ihn aus der Luft filtern. So könne man in Großraumbüros etwa durch das Volumen der Blätter eine spürbare Staubreduktion erreichen, so der Experte. Über ihre Wurzeln filtern Pflanzen zudem Giftstoffe aus der Luft, auch das können Hydrokulturen, deren großes Granulat für eine besonders gute Wurzelbelüftung sorgen, am besten leisten. "Hydrokulturen sind das Beste, Sauberste und pflegeleichteste System", ist Weitmann überzeugt. Der Grünexperte stattet etwa auch Linzer Krankenhäuser aus. "Im Gegensatz zu Erdpflanzen, in denen sich Pilzsporen finden und die deshalb aus Hygienegründen in Spitälern verboten sind, sind Hydrokulturen erlaubt. Deren Granulat aus Tonkügelchen ist auch das einzige System, das man durchspülen kann ." Hydrokultur funktioniere mit den meisten Grünpflanzen, allerdings müssen diese schon auf diese Weise gezogen worden sein: "Man kann keine Erdpflanze in Hydrokultur umtopfen ". Nur sehr feinwurzelige Pflanzen und bestimmte Blühpflanzen würden sich nicht eignen.

Wandbegrünungen und grüne Inseln
Pro Person sollte in einem Raum etwa ein Quadratmeter Grünpflanzen eingeplant werden. Weitmann empfiehlt, in die Gestaltung eines Wohnraumes Grünpflanzen gleich von Anfang an mit einzubeziehen. Für Büros hat er schon Arbeitstische mit Einbuchtungen, in die Bäumchen gestellt werden und die so wie kleine grüne Inseln anmuten, gestaltet ebenso wie Innenbereiche, die an draußen erinnern: In Stämme mit großen, grünen Köpfen und Bodenbegrünung fügt sich eine Parkbank herrlich ein und wird so zur Pauseninsel für die Mitarbeiter. "Ich habe auch schon Bäume mit bis zu zehn Metern Höhe unter Dach aufgestellt". Ganze Wandbegrünungen seien mittlerweile dauerhaft machbar, so Weitmann – "Es gibt jetzt gute Systeme dafür." Der Innenraumbegrüner bietet in Form von Wandbildern auch "gerahmtes Grün" an. Derzeit plant er einen regelrechten Indoorpark: In einer Lagerhalle entsteht ein Besprechungsbereich mit Bäumen und Bänken.


Der Trend gehe grundsätzlich zu klaren Linien und schlichtem Design. Das mache etwa die langen, schlanken Sansevieria wieder beliebt, Weitmann hat auch seltene Sorten wie den Ficus panda, den chinesischen Gummibaum oder verschiedenste Kroton-Arten im Sortiment, deren Blätter in allen Farben, die der Herbst zu bieten hat. Er arbeitet eher weniger mit Blühendem, weil das "zu viel Mist" mache: "Innenraumbegrünung muss pflegeleicht sein." Verschiedene Farben bringen Anthurien und Spathiphyllum, besser bekannt als Einblatt, in die Innenräume. Die richtige Pflanze am richtigen Ort, sollte zunächst einmal das Motto sein, erst dann sollte nach persönlichem Geschmack, Größe, Form und Farbe ausgewählt werden. Pflanzen für den Innenraum sind in der Regel Pflanzen aus den Tropen: "Wir fühlen uns bei etwa 20 Grad am wohlsten in unseren Räumen und damit sind wir bei Pflanzen im tropischen Bereich. Das sind die Temperaturen, an die diese Pflanzen, die aus Südamerika und Asien stammen, gewohnt sind. " Definierte Allergie-Pflanzen gebe es unter den Zimmerpflanzen nicht, Reaktionen dieser Art erlebe er nur selten, so Weitmann.

Noch ein Wort zum richtigen Gießen: Noch wichtiger als die richtige Menge Wasser sei die Wurzelbelüftung, die bei einer Erdpflanze nur mit einem entsprechenden Übertopf möglich sei. Hydrokultur sei auch deshalb perfekt für den Innenraum, weil ein großes Luftvolumen zwischen den Substratteilchen bestehe. "Im Gegensatz zu Erde, die zusammenfällt, sich verdichtet und zum Teil verfault, ist Hydrokultur strukturstabil", erklärt Weitmann. Ein Mittelding ist das Erdschichtsystem, bei dem eine Erdpflanze neben Erde mit Hydrokultur aufgefüllt und so ein Wasserspeichersystem geschaffen wird. Hydrokultur sei auch deshalb praktisch, weil die Gießintervalle (drei bis sechs Wochen) sehr groß sind.

(18.10.2017)

Update: 18.10.2017 16:59:03