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Bewegung für Bahnreisende

© Gießener Anzeiger

Mehr Grün am Gießener Bahnhof.

Vor ca. einem ¼ Jahr bekamen wir Post von unserem langjährigen Mitglied Horst Claussen aus Bad Nauheim. Der Brief enthielt einen Artikel der "Gießener Allgemeinen Zeitung" vom 22.05.2017 mit obigem Titel.

Wir fanden ihn so interessant und das beschriebene Projekt als nachahmungs- würdig, sodass wir Ihnen diese Information nicht vorenthalten wollen.
Mit freundlicher Genehmigung der verantwortlichen Redaktion der "Gießener Allgemeinen Zeitung" und dem Verfasser dieses Artikels, Herrn Armin Pfannmüller, sowie des Fotografen, Herrn Oliver Schepp/WZ, können wir diesen Bericht nun veröffentlichen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen, dass Sie großzügig auf jegliches Honorar verzichtet haben!

Wer mit der Bahn in Gießen ankommt und auf seinen Anschlusszug warten muss, vertreibt sich die Zeit meist in der Halle mit Kaffee, Snack oder einer Zeitschrift.
Demnächst könnte Bewegung in die Wartezeit kommen.
Dabei spielt die Grünfläche zwischen den Gleisen 1 und 11 eine entscheidende Rolle.

Mehr Grün am Gießener Bahnhof.
Mit diesem Wunsch ist ein Gärtner aus der Wetterau im Frühjahr 2014 an das Bahnhofsmanagement herangetreten. Mit dem Start der Landesgartenschau Ende April durfte Horst Claussen seinen Plan umsetzen. Elf Gefäße mit Pflanzen zieren seitdem Wartehalle und Bahnsteige. Die Pflege hat der Kreisgärtnermeister aus Bad Nauheim, der seit drei Jahren Mitglied im Förderverein Landesgartenschau (mittlerweile Förderverein Gartenstadt Gießen) ist, selbst übernommen.

Mit der Begrünungsaktion hat der 79-jährige Botschafter der Wetterau sein Pulver am Bahnhof längst nicht verschossen. Bei seinen Aktivitäten ist Claussen eine hinter dem Hauptgebäude zwischen den Gleisen 1 und 11 gelegene Grünfläche aufgefallen. Auf der von einem Jägerzaun eingefassten Wiese sprießt der Löwenzahn, auf ihr wachsen Magnolien, Flieder, Eibe und Buchsbaum. Genutzt wird die Fläche allerdings nicht. »Das wollte ich ändern«, sagte Claussen im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der Florist hatte die Idee, die Grünfläche in einen Bewegungsgarten für Bahnreisende und Beschäftigte umzuwandeln. Mit diesem Vorschlag trat er an Bahnhofsmanager Roland Meuschke heran. Der war sofort angetan von Claussens Idee. Schließlich konnte sich der Bad Nauheimer auf einen prominenten Fürsprecher berufen, den früheren Bahn-Chef Rüdiger Grube. »Ich möchte, dass sich die Gäste der Bahn wohlfühlen auf ihren Reisen«, hatte Grube in einem Vortrag bei der IHK Gießen-Friedberg gefordert.

Nächster Schritt auf dem Weg zum Bewegungsgarten am Bahnhof war die Kontaktaufnahme mit der Hochschule Geisenheim, in mehreren wissenschaftlichen Projekten Partner der Gießener Justus-Liebig-Universität.

30 Studenten der Landschaftsarchitektur erhielten in einem Seminar die Aufgabe, Ideen zu entwickeln, wie die Grünfläche am Bahnhof neu belebt werden kann. Dabei ging es um Aufenthaltsqualität, den Erhalt der Grünfläche und die Schaffung von Bewegungsangeboten. »Bei der Auswahl von Bewegungsgeräten sollten die Studenten in erster Linie Geräte auswählen, die gut für den Rücken nach langem Sitzen sind«, erläuterte Seminarleiterin Annina Kreißl. Schließlich wurden fünf Seminararbeiten ausgewählt, die zeigen, wie die Rasenfläche am Bahnhof einmal aussehen könnte.

In den Entwürfen gibt es Wasserbecken, Bewegungsgeräte, Bänke, Schattenplätze, eine Terrasse und bei einer Arbeit sogar eine kleine Außengastronomie. Die Entwürfe der angehenden Landschaftsarchitekten sind derzeit im Bahnhof in der Nähe des neuen Infocenters Hochschulen und Stadt ausgestellt.

Angetan von der Idee eines Bewegungsgartens am Bahnhof ist auch Gerda Weigel-Greilich. Die Bürgermeisterin hat sich die dort ausgestellten studentischen Entwürfe angeschaut und war begeistert von den Vorschlägen der Studenten. Die Idee zur Aufwertung der Grünfläche am Bahnhof sieht sie als Fortführung der Gestaltung von Themen- und Wissenschaftsgärten während der Landesgartenschau. Auch die Tatsache, dass Menschen wie Horst Claussen einen »systematischen Blick« auf Flächen werfen, die es aufzuwerten gilt, sieht sie als Folge der Gießener Gartenschau. Der Gärtnermeister aus Bad Nauheim sieht die Möglichkeit, Reisenden in Gießen eine Grünfläche zur Erholung und Bewegung anzubieten als Pilotprojekt, das auch an anderen Bahnhöfen Schule machen könnte.

Nun ist die Bahn am Zug, die Idee vom Bewegungsgarten zwischen den Gleisen in die Tat umzusetzen.

 

 

(17.10.2017)

Update: 17.10.2017 18:29:28