Hoya

Plastik / Mikoplastik

© Jochen Euler

Eignet sich Plastik ggf als Substrat für Hydrokultur

In einem experimentell ausgerichteten Schülerkurs (Stufe 11/12) beschäftigen wir uns u.a. mit Plastik/Mikoplastik und ihren Auswirkungen auf die Umwelt mit dem Fokus auf Gewässer und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Eine Schülerin untersucht z.B. den Einfluss steigender Plastikmengen auf das Wuchsverhalten/die Biomasseproduktion von Feldsalat. Nun taucht die Frage auf, ob sich Plastik ggf als Substrat für Hydrokultur eignet.
Bisher bin ich da vergleichsweise erfolglos – ich bin zwar Biologe, aber ich kenne mich damit nicht aus und würde da gern auf Ihre Expertise zurück greifen.
Können Sie mir im Hinblick auf Plastik (ggf auch recyclt, aufgeschäumt...) als Träger/Substrat eine Richtung weisen? Was wären die größten Probleme (Hydrophobie, austretende Additive...)?

Und hier die Antwort unseres Experten:
Kunststoffe in Form von Schäumen oder auch Fasern werden als Substrat in der erdelosen Kultur von Pflanzen eingesetzt. Bei den Schäumen handelt es sich um Hart- oder Weichschäume aus Polyurethan oder Polyphenol. Sie werden auch zur Anzucht von Pflanzen, also zur Bewurzelung von Stecklingen verwendet. Ein bekanntes Produkt ist beispielsweise Oasis. Diese Schäume sind auch als Steckschäume aus der Floristik bekannt. Als Alternative zu Steinwollmatten wurden auch recycelte Weichschäume von der Firma Agrofoam für die Kultur von Fruchtgemüse, Feldsalat und Schnittblumen eingesetzt. Neuerdings werden auch Kunststoffgewebe als Substrat für Grüne Wände verwendet. Ein Pilotprojekt dazu läuft derzeit an der Hochschule in Geisenheim.

In der DDR wurden Kunsstoffborsten 'Biolaston' als Hydrokultursubstrat für Zierpflanzen in der Innenraumbegrünung eingesetzt. 

Diverse Kunsstoffgewebe sind auch als Bewässerungsvliese im Einsatz. Eine Besonderheit sind sogenannte Hydrogele (Superabsorber), die bis zum 400-fachen ihres Eigengewichtes an Wasser speichern können. 

Was auch immer eingesetzt wird, entscheidend sind die jeweiligen physikalischen Eigenschaften bezüglich Wasserspeicherfähigkeit, Relation Wasser- zu Luftvolumen bei Wassersättigung oder auch die Wassersteighöhe. Abhängig davon wird die Bewässerung entsprechend eingestellt. Von Problemen bezüglich Freisetzung von phytotoxischen Stoffen ist mir nichts bekannt.

(15.09.2017)

Update: 17.09.2017 14:51:21