Mitgliederversammlung 2016 - Teil II

Die Mitgliederversammlung 2016 in Geisenheim stand unter einem ganz besonderen Vorzeichen:
"65 Jahre DGHK –Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V."!

So ein Anlass muss gebührend gewürdigt werden und so hatte das Präsidium der DGHK zu einem "Innovations-Workshop" und zur Verleihung des "Günter Gregg - Preises" eingeladen.

In Hydrokultur intern 03 - 2016 ist schon ausführlich über den Workshop mit dem verabschiedeten "Geisenheimer Manifest" und der Verleihung des "Günter Gregg – Preises" berichtet worden, sodass an dieser Stelle "nur noch" der ausstehende Schlussbericht folgen soll.

 

Nach der sehr intensiven und innovativen Diskussion des Impuls-Referates von Stefan Hecktor folgte der Vortrag von Prof. Dr. Heiko Mibus-Schoppe zu dem Thema: "Urbaner Gartenbau Heute"!

Prof. Mibus-Schoppe stellte zu Beginn seines Referates erst einmal sehr ausführlich dar, dass "Urbaner Gartenbau" nicht nur das aktuelle Thema der Boulevard-Presse und des Vorabend-Fernsehens ist, sondern die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Phänomens seit eh und je zum Standard-Programm der Universitäten zählt! "Was macht "Urbaner Gartenbau" eigentlich aus? So gehört doch die Innenraumbegrünung definitiv zum "Urbanen Gartenbau" dazu, denn was ist urbaner (gebildet u. weltgewandt, weltmännisch, für die Stadt charakteristisch, in der Stadt üblich)  als ein Wohnzimmer?! So gehören u.a. die nachhaltige Produktion und funktionale Verwendung und Wirkung gärtnerischer Kultur im städtischen Bereich, grundsätzlich zu den universitären Themen, sodass das gesamte Spektrum, von Züchtung, über Produktion bis hin zur historischen Aufarbeitung von der regulären Forschung und Lehre abgedeckt wird".


Ein wichtiger Schwerpunkt des Forschungsengagement liegt naheliegend in den Fragen, "Wie und wo findet "Urbaner Gartenbau" statt"?

Vertikale Wände, Fassadenbegrünung und "InFarming" werden seit Jahren nicht nur auf Symposien und in Talk-Runden des Fernsehens diskutiert, sondern sie werden erfolgreich weltweit realisiert.

Am Nachmittag standen die aktuellen Versuche zur Vertikalbegrünung in den Gewächshäusern der Universität Geisenheim auf dem Programm.

Wenn z.B. in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg der Ernährungsaspekt die Hauptrolle spielte, heute noch in vielen 3.-Welt-Ländern, in den 60er und 70er Jahren die Erholung, so stehen heute soziale Aspekte im Vordergrund. 

In Hessen gibt es über 40 Projekte dieser Art, in Berlin über 200!

In diesem Zusammenhang muss auch unbedingt auf den klimatischen Faktor hingewiesen werden; aus dem eigenen, täglichen Erleben heraus, wissen wir mittlerweile alle, wie wichtig diese "Grünen Inseln" in den Innenstädten sind.

Für unsere Regionen ist vielleicht der wichtigste Faktor bei den "Infarming"-Konzepten die Lichtproblematik. So sind z.B. in Deutschland die (subventionierten) Transportkosten noch so gering, dass alle Projekte bisher nicht realisiert wurden.

In diesem Zusammenhang muss auch noch erwähnt werden, dass viele Projekte als neu vermarktet werden, obwohl sie in den 50er und 60er Jahren schon intensiv untersucht und dargestellt wurden; auch auf diesem Sektor besteht großer Handlungsbedarf.

Zum Schluss muss ganz besonders der Erholungsaspekt herausgestellt werden. Seit den 90er Jahren sind u.a. auch an der Universität Hannover Studien durchgeführt worden, die den gesundheitlichen Nutzen nachgewiesen haben, dass "Grün" zu einer schnelleren Genesung auch bei psychischen Problemen führt.

Prof. Mibus-Schoppe schloss seinen Vortrag mit einem Zitat von Audrey Hepburn: "Wer einen Garten anlegt, der glaubt an die Zukunft".

 

Danach gingen wir zur Erholung Richtung Kantine, um uns nach diesem intensiven Vormittag für den zweiten Teil des Tages zu stärken.

Dort war für uns ein kaltes und warmes Buffet bereit gestellt, das keine Wünsche offen lies.

An dieser Stelle ein Herzliches Dankeschön an Dr. Heinz-Dieter Molitor und sein Team für die Organisation und an die Küchen-Crew, die extra an diesem Tag gekommen war und uns zur Verfügung stand.

Nach der Mittagspause ging es dann zum 2. Tagungsort: die Gewächshäuser! Dr. Molitor stellte seine z.Z. laufenden Versuchsreihen vor, die, wie sollte es anders sein, bis Ende Februar abgeschlossen werden sollen:

  • Natrium-Gehalt im Gießwasser

So soll die Frage beantwortet werden: Gibt es Pflanzen, die Natrium vertragen? Von einigen Pflanzen ist es bekannt, von den meisten weiß man es allerdings nicht!

Beim Ficus benjamina, Dracaena …, Croton und Chamaedorea sind schon entsprechende Versuche gefahren worden; hier sind jetzt Erhebungsuntersuchungen vorgesehen, es soll herausgefunden werden, wie unterschiedliche Pflanzenarten auf steigende Natrium-Werte reagieren.

Danach soll es noch einen identische Versuchsreihe zur Fluorid -Problematik geben. Florid wird nicht über das Gießwasser in das System eingebracht, sondern kommt aus dem Blähton. Je nachdem, wo der Naturton abgebaut wird, sind die Fluoridgehalte sehr unterschiedlich. Da der "grüne Bereich" nur ein sehr kleines Segment darstellt, ist auch die Bereitschaft der Blähton-Produzenten sehr gering, auf unsere Bedürfnisse einzugehen. In der RAL Gütesicherung ist ein Grenzwert von 5 mg/l  Florid festgeschrieben, nur hat es zu diesem Wert so ernsthafte Versuche in der Vergangenheit nie gegeben und so sagt die Gütegemeinschaft, dass Florid-sensitive Pflanzen nur 2 mg/l haben dürfen, was aber auch spekulativ ist und nie untersucht worden ist.

Die Blähtone von der Fa. "Fibo Exlay" liegen unter 2 mg/l, Blähtone mit unterschiedlich hohen Fluorid-Gehalten sind natürlich auf dem freien Markt nicht zu bekommen und so war es eine große Aufgabe, die handelsüblichen Blähtone mit Florid anzureichen. Für die Raumbegrünung ist es schon wichtig, da die Schäden nicht unmittelbar sichtbar werden, sondern erst nach 4 bis 6 Wochen, denn Florid bindet Kalzium.

  • Vertikal-Begrünung -  "AMYTIS Modulogreen" und Steinwollwände

Es sollen noch einmal grundsätzlich die beiden Fragen untersucht werden: wie soll es mit der Düngung laufen und wie klappt es mit der Bewässerung und wie gelingt es, das Nährstoff- und Wasserangebot in der Senkrechten gleichmäßig zu verteilen. Die Vorüberlegungen führten zu dem Schluss, nur mit "geschlossenen Systemen" zu arbeiten.

Bei dem "Modulogreen-System" stand die Frage im Vordergrund, wo mit füllt man die Systeme; das Erstangebot der Firma war ein Substrat mit 80% gebrochenem Blähton und 20% organischem Material, Kokosfasern und ein Torfgemisch, was absolut nicht funktioniert hat.

Für die Versuchsreihen wurde Seramis, Zeoponic, Bimsgranulat, gebrochener Blähton und Blähton eingesetzt.

Eine wichtige Erkenntnis ist auch die Lichtproblematik zwischen oben und unten, wenn z.B. oben 1.300 Lux gemessen wurden sind unten nur noch 780 Lux messbar, bei so kurzen Entfernungen ein erstaunlicher Wert.

Nach dieser wieder spannenden Führung durch die derzeit laufenden Versuchsreihen in den Gewächshäusern trafen sich dann die Gäste zu dem gesellschaftlichen Höhepunkt der Mitgliederversammlung, der Verleihung des "Günter Gregg - Preises"!

Dieser so ereignisreiche Tag fand dann seinen harmonischen Ausklang, wie konnte es anders sein, in einem Restaurant mit Blick auf den Rhein.

Der 2. Tag war etwas beschaulicher geplant: vormittags die obligatorische Mitgliederversammlung, auf der Herbert Mosel und Dr. Harald Strauch für ihre Verdienste als langjährige Präsidiumsmitglieder zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Danach endete das offizielle Programm der Tagung und ein Teil der Mitglieder trat den Heimweg an.

Das neu eröffnete Restaurant / Café Niederwalddenkmal bot noch ca. 15 Teilnehmern kühlen Schatten und leckere Speisen zur Stärkung. Anschließend führte Dr. Molitor die interessierten Mitglieder zum Denkmal und durch die neu gestaltete Parkanlage des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Ein großes DANKE an alle, die dieses so ereignisreiche Wochenende organisiert haben, wir freuen uns schon auf die nächste MV in 2017!
Der erste Teil des Berichtes ist unter MV vom 01. - 03.09.2016 abgelegt.

(01.05.2017)

Update: 01.05.2017 12:17:16