Dracaena Salisb.

Aus dem Leben und Schaffen eines Gärtners und Pflanzenliebhabers der "Hydrokultur" in Eislingen

© Willi Höfer

Was die "Hydrokultur" und ich miteinander erlebt haben!

"Hydrokultur, das ist etwas ganz Interessantes, das müssen Sie machen!",  sagte 1971 Peter Gute von dem renommierten Blumengeschäft in Heidelberg zu mir. Nach vorausgegangener Gärtner- und Floristenlehre und dem späteren Besuch der Florist-Meisterschule in Bonn-Friesdorf führten meine Frau und ich zunächst das Blumengeschäft meiner Eltern in Eislingen. Der Rat von Peter Gute verfehlte nicht seine Wirkung. Die Enge des Blumengeschäftes und das gleichzeitige Freiwerden der Gewächshäuser bei meinen Eltern hatte zur Folge, dass ich schon bald mit der "neuen", aus der Schweiz kommenden Hydrokultur startete.

Aber wo bekam man die Bausteine zur Hydrokultur her?
Hydropflanzen gab es bei uns im süddeutschen Raum, insbesondere bei der Gärtnerei Ball in Gaggenau. So fuhr ich eben alle 2 Monate nach Gaggenau, um dort bei Herrn Dünnbier die Tisch- und Bodengefäßpflanzen auszusuchen und mit vollbeladenem VW-Transporter nach Eislingen zu fahren. Es entstand  eine Freundschaft mit Willi Ball, der mir in Gewächshaustechnik, Hydropflanzen und -Zubehör mit Rat und Tat zur Seite stand. Mit dem Zubehör war es zu Beginn der Hydrokultur in Deutschland etwas schwierig, da die Gebietsschutzbereiche von der Luwasa elitär aufgeteilt waren. Da war es fast eine Selbstverständlichkeit, dass ich schon bald der von Willi Ball und Edgar Löffler initiierten Hydro-Zubehör-Gruppe TWL (=Ton – Wasser – Luft) beitrat. Sehr viel später bekam ich die volle Unterstützung für diese Wortfindung von Günter Gregg, der sagte: "Eigentlich müsste die Hydrokultur Luftkultur heißen, denn nur durch das poröse strukturstabile Substrat Blähton ist die notwendig ausreichende Sauerstoffversorgung der Wurzeln gewährleistet". Diese Wahrheit wurde allerdings durch leidvolle Praxiserfahrungen relativiert, denn der anfänglich kreierte Werbeslogan "Zu viel gegossen – ausgeschlossen"! war leicht übertrieben. Nicht selten mussten übel riechende Pflanzungen ausgeräumt werden, weil Wurzeln wegen zu hohem Wasserstand abgestorben waren! 

"Sondergruppe Deutsche Hydrokultur" im ZVG
Wie es dann dazu kam, dass ich 1977 in den ersten Vorstand der innerhalb des Zentralverbandes des Deutschen Gartenbaus gegründeten "Sondergruppe Deutsche Hydrokultur" berufen wurde, weiß ich heute nicht mehr. Wahrscheinlich hatte es mit meinen floristischen Aktivitäten bei der Bundesgartenschau 1977 in Stuttgart zu tun und es war wohl erwünscht, eine "floristisch angehauchte" Person im Vorstand zu haben. Für mich war es natürlich eine große Ehre und starker Ansporn, diesem "erlauchten" Gremium anzugehören, in dem so bedeutende Persönlichkeiten wie Günter Gregg, Heinz Boymann, Willi Hartmann, Hans-Jürgen Pluta, später Wolfgang Mohr, Heinz Otto, Karl-Heinz Opitz ,Winfried Teufel - und noch später Lutz-Peter Kremkau, Leo Thissen, Jürgen Herrmannsdörfer, Hans-Martin Ruoff und Markus Gregg - vertreten waren. In diesem Kreis war es natürlich ein intensives "Geben und Nehmen" und ich habe von dieser Arbeit unheimlich viel profitiert. Mit großer Dankbarkeit denke ich heute zurück, dass ich auch von den bestimmenden Persönlichkeiten wie Günter Gregg, Heinz Otto und Wolfgang Mohr Anerkennung und Bestätigung  erfahren durfte.

Meine Aktivitäten hatten insbesondere mit 2 Themen zu tun: Seminare und Schulungen in der Bildungsstätte Grünberg und die Planung und Durchführung der Ausstellungsbeiträge auf den Bundesgartenschauen. Was die Seminare anbelangt, war es von Anfang an nicht immer selbstverständlich, dass neben pflanzlichen, wirtschaftlichen und verkaufsfördernden Gesichtspunkten, auch gestalterische Themen behandelt werden sollten. Die Voraussetzungen der Hydrokultur, dass immer mit gleichen Topfhöhen gearbeitet werden muss, und nicht wie bei Erdkulturen moduliert werden kann, führte oft -  um der angeblichen "Langeweile" vorzubeugen - zu willkürlichen und ungeordneten bunten Zusammenstellungen, die dann mit dem Schimpfwort "Sparkassenbegrünungen" in der Öffentlichkeit abgetan wurden. An einen Auftritt im Betrieb von Günter Gregg erinnere ich mich noch gut. Herr Stock brachte den Zuhörern in beredten Worten das "Hegen und Pflegen" der Pflanzen nahe und ich durfte in gestalterischem Auftrag über Ordnung, Form, Farbe und Bewegung etwas erzählen. Als Besonderheit hatte ich mir noch einen Spezialauftritt ausgedacht: Ich zog mir eine schwarze Robe an und verkündete das von mir ausgedachte "Grundgesetz für Pflanzen" und so, wie es eine unantastbare Würde für Menschen gibt, sollten auch Pflanzen als Lebewesen respektiert und geachtet werden und Gärtner und Floristen sollen auch ihren Kunden zeigen, dass wir diesen Respekt haben und vorleben. Das heißt aber auch im Umkehrschluss,  dass auch das Leben einer Pflanze endlich ist und wir auch einmal von einer Pflanze, wenn sie ihr Leben gelebt hat, Abschied nehmen müssen.

Hydrokultur in "Gartenschauen"
Bei dem Thema "Gartenschauen" war und ist es für mich die große Chance, dass wir einer breiten Öffentlichkeit die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Hydrokultur in attraktiven Beispielen zeigen können. Es ist für die Betriebe immer ein großer materieller und ideeller Aufwand, um an diesen Schauen mitzuarbeiten. Ich danke allen Gärtnern und Raumbegrünern auch an dieser Stelle, dass sie mich über all die Jahre nie im Stich gelassen haben und die Idee der Hydrokultur für die gesamte Branche hinausgetragen haben. Was die Wahrnehmung der Branche in der Politik und in der Öffentlichkeit betrifft, bin ich der festen Überzeugung, dass es im Jahr 2004 richtig und notwendig war, die Namensgebung des Verbandes in "Fachverband Raumbegrünung und

Hydrokultur" umzubenennen, um auf politischer und wirtschaftlicher Ebene mit einer breiteren Front auftreten zu können. So hat sich auch nach der Gründung der European Interior Landscaping Organisation (EILO)  im Jahre 2007 insbesondere Markus Gregg um die Vertretung unserer deutschen Interessen auf europäischer Ebene verdient gemacht. Auch andere Netzwerke, wie z. B. die Kooperation mit der Fachgruppe BauwerksBegrünung (FBB), die im nächsten Jahr in Berlin einen internationalen Kongress mit ca. 500 Teilnehmern aus aller Welt ausrichten wird, sind zurzeit im Entstehen. Ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet ist die Pressearbeit mit dem Grünen MedienHaus (GMH). Jedes Jahr gibt es vier Presseaussendungen, von denen sich zwei mit reinen Hydrothemen und zwei mit allgemeinen Raumbegrünungsthemen beschäftigen. Laut unabhängiger Recherche werden je Aussendung ca. 750.000 Leser erreicht.

Rückblick, Dank und Wünsche für die Zukunft
Vor drei Jahren dufte ich nun das Amt des Vorsitzenden des Fachverbandes an Christian Engelke abgeben und es ist mir eine Freude und Genugtuung, dass die Arbeit der Hydrokultur und Raumbegrünung von einem jungen sehr aktiven Vorstand weitergeführt wird. Ich schaue mit großer Dankbarkeit auf die vielen Jahre zurück, in denen es mir vergönnt war, in unzählig vielen Begegnungen mit phantastischen Menschen, die Hydrokultur zu einem wesentlichen Inhalt meines Lebens werden zu lassen. Es ist meine Hoffnung und mein Wunsch, dass sich noch mehr Kolleginnen und Kollegen im Fachverband und bei der "Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur" engagieren.
So, wie dies mein großes Vorbild Günter Gregg auch getan hat!
In der Bearbeitung sehr verwandter Themen, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten, kann in gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung für unsere geliebte Hydrokultur noch viel erreicht werden!

 
Update: 07.09.2016 17:26:07