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Kulturtopf für Hydrokultur

In den Anfangsjahren der "Hydrokultur" wurde mit unterschiedlichen Topfarten und Materialien experimentiert.  Es erwies sich dabei als äußerst schwierig die jeweiligen Anforderungen der unterschiedlichen Anwender in Einklang zu bringen. Es war deshalb ein großer Fortschritt, als sich die damaligen Sondergruppe Hydrokultur auf bestimmte Normen bei der Größe der Kulturtöpfe einigte. Es wurden Topfhöhen von 9, 12 und 19 cm festgelegt, dazu entsprechende definierte Durchmesser. Diese Festlegung war auch deshalb notwendig, damit die Gefäß-Industrie sich auf bestimmte Maße einstellen konnte. Heute kommen meist Kulturtöpfe in der Größe (ø/Höhe in cm) 13/12 – 15/12 – 18/12 für Tischgefäße und für Bodengefäße 11/19 - 15/19 – 18/19 – 22/19 – 28/19 – 32/19 zum Einsatz. Es gibt auch Kulturtöpfe für niedrigere Gefäße, wie beispielsweise 9/7 und 11/9, wenngleich sich deren Sinnhaftigkeit im Hinblick auf die Nachhaltigkeit einer solchen Pflanzung nicht ohne weiteres erschließt.

Von Seiten der Anzuchtbetriebe wird ein stabiler Kulturtopf gefordert in dem die Pflanzen in möglichst kurzer Zeit sich zur Verkaufsreife entwickeln können. Der Endkunde legt hingegen Wert darauf, dass die Pflanzen am Endstandort problemlos aus dem Kulturgefäß ins umgebende Substrat herauswurzeln können.  

Ein entscheidender Vorteil der „Hydrokultur“ besteht darin, dass der Kulturtopf bei der Pflanzung nicht entfernt werden muss. Vielmehr werden die Pflanzen mit Topf auf den Gefäßboden aufgestellt und dann mit Blähton aufgefüllt. Einfacher geht es nicht. Doch wie sieht es mit dem Herauswurzeln der Pflanzen aus? Sehr gute Eigenschaften bezüglich der Durchwurzelbarkeit hatte der Styroportopf(siehe Abbildung). Dieser konnte sich aber nicht durchsetzen, weil sich die Pflanzen nicht mit einer Hand aus dem Bestand entnehmen ließen ohne dass der Topfrand ausbrach. Ähnliche Probleme traten auch während der Vermarktung auf. Spezielle Gittertöpfe hatten schlechteres Wurzelwachstum und eine längere Anzucht der Pflanzen zur Folge.  So setzte sich schließlich der heute noch übliche Spezialtopf aus Polypropylen-Kunststoff durch, der im Hinblick auf die gärtnerische Kultur der Pflanzen in Handhabung, Stabilität und Wachstum nahezu ideale Eigenschaften aufweist. Seine Nachteile offenbaren sich erst beim Endkunden. Diese sind so gravierend, dass sie das System der „Hydrokultur“ ernsthaft in Frage stellen können.


Die Kulturtöpfe sind seitlich mit 4 mm breiten Schlitzen versehen, aus denen die Pflanzen am Endstandort herauswurzeln sollen. Die praktische Erfahrung und eingehende wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass dies in der Regel nicht oder wenn, dann nur unvollkommen der Fall ist. Hinzukommt, dass das Kunststoffmaterial im Vergleich zu den Anfangsjahren immer dicker und damit steifer geworden ist. Die Kulturtöpfe wurden dadurch äußerst stabil, was den Wünschen der Produktionsbetriebe geschuldet ist. Pflanzenwurzeln sind dadurch aber immer weniger in der Lage die Kunststoffwandung zu verformen, sie werden mit zunehmendem Dickenwachstum abgeschnürt und sterben ab.

Das Kernproblem ist allerdings, dass die Pflanzen häufig deshalb nicht aus dem Kulturtopf herauswurzeln, weil die Schlitze zu tief angelegt sind. Sie werden dann beim Anstau der Gefäße vollständig überflutet. Das ist bereits beim Gießen bis auf „Optimum“ und nicht erst auf „Maximum“ der Fall (siehe Abbildungen). Grund ist der absolute Mangel an Sauerstoff in der Anstauzone. Die Wurzelentwicklung konzentriert sich dann auf den Bereich des Kulturtopfes mit der Folge von starken Verdichtungen, verstärktem Sauerstoffmangel und dem Absterben von großen Teilen des Wurzelsystems. Die Nachhaltigkeit einer Begrünung wird auf diese Weise entscheidend gefährdet.


Aufgrund dieser Erfahrungen wurde von Udo Stock, Raumbegrüner und Präsident der DGHK, vorgeschlagen, das Design der Kulturtöpfe neu zu überarbeiten. Seine Forderung die Töpfe mit höher und breiter angelegten Schlitzen auszustatten oder mit vorgestanzten herausnehmbaren „Fenstern“ zu versehen erwies sich in Versuchen an der Forschungsanstalt Geisenheim als wesentliche Verbesserung. Seitdem sind viele Jahre vergangen ohne dass die Kulturtöpfe durchgreifend verbessert wurden. Immerhin wurden aber von der Firma Leni und Kulturtöpfe mit zusätzlichen höher angesetzten Schlitzen, aber leider ohne Verbreiterung, eingeführt.


Gibt es Übergangslösungen?
In vielen Betrieben ist es inzwischen üblich die Seitenschlitze vor der Pflanzung mit einem Hakenmesser nach oben und zur Seite zu erweitern (siehe Abbildung). Die Erfahrung zeigt, dass sich der zusätzliche Aufwand lohnt, weil dadurch ein sicheres Hauswurzeln der Pflanzen gewährleistet wird und sich die bisher aufgetretenen Probleme vollständig vermeiden lassen.  Einige Raumbegrüner gehen sogar noch weiter und entfernen den Kulturtopf beim Pflanzen vollständig. Allerdings wird dadurch die Standfestigkeit der Pflanzen beeinträchtigt, was zu Problemen während des Transportes und in den ersten Wochen am Endstandort führen kann. Für den Hobbybereich ist diese Vorgehensweise jedoch durchaus anzuraten. Die Pflanzen werden es mit deutlich besserem Wachstum und langer Haltbarkeit danken. Das Öffnen der Kulturtöpfe ist grundsätzlich nur bei Bodengefäßen sinnvoll, also nicht bei Tischgefäßen, bei denen der Kulturtopf in der Regel lediglich in den Übertopf eingestellt wird.  

Die Kulturtöpfe sind seitlich mit einer Aussparung zur Aufnahme und Fixierung des Wasserstand-Anzeigers versehen. Dies ist vor allem bei Tischgefäßen sinnvoll. Bei Bodengefäßen wird der Wasserstandsanzeiger zweckmäßigerweise separat eingebaut (siehe Beispiel Abbildung), wodurch er sich leichter an einer gut einsehbaren Stelle platzieren und gegebenenfalls auch bei Bedarf austauschen lässt.

(10.07.2016)

 
 
 
 
 
 
 
 
Update: 11.10.2016 10:57:52