Gloriosa superba L.

Blähton

© Dr. Heinz-Dieter Molitor

Was ist Blähton?

Blähton wird durch Brennen von granuliertem Ton bei etwa 1250 °C in Drehöfen hergestellt. Dabei wird die im Ton enthaltene organische Substanz verbrannt, wodurch Gase entstehen, die das Korn aufblähen. Teilweise werden dem Rohton auch zusätzliche Blähhilfen zugesetzt, um diesen Prozess zu befördern.

Blähton wird vorwiegend in der Baustoffindustrie eingesetzt oder als Unterbau für Böden und Wege. Der Anteil für die grüne Branche ist im Vergleich dazu gering. Die Anforderungen an Blähton für die Kultur von Pflanzen unterscheiden sich bezüglich der physikalischen und chemischen Eigenschaften deutlich von denen für den Baubereich. Von der Verwendung von Blähton-Produkten aus dem Baubereichs ist deshalb dringend abzuraten.

Historisches zum Blähton
Entwickelt wurde Blähton um 1917 in den USA und zwar in Kansas City, Missouri. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg war Stahl knapp. So versuchte man Schiffe aus Beton zu bauen, die aber sehr schwer waren. Die US-Regierung schrieb deshalb einen Preis für die Lösung dieses Problems aus. Von dem Ingenieur Hayd stammte die Idee zur Herstellung eines Leichtbaustoffes durch Blähen und Brennen von Ton. Es wurde auch tatsächlich ein Schiff, die „USS Selma“, gebaut und 1919 in Dienst gestellt. Das Verfahren der Blähtonherstellung wurde patentiert und der Blähton unter dem Namen „Haydight“ (Hayd(l)ight) oder später auch als „Haydite“ vermarktet. Er fand schließlich zunehmend in der Bauindustrie als Bestandteil von Leichtbeton und für den Unterbau und zur Isolierung Verwendung (HEYMAS 1980). Erst 1936 startete die erste Blähtonproduktion auf dem europäischen Kontinent in Dänemark die allerdings scheiterte. 1938 erfolgte ein erneuter Anlauf der diesmal gelang. Das Produkt erhielt den Namen „LECA“ (Light Expanded Clay Aggregate). Unter dem Einfluss von „LECA International“ entstanden Produktionsstätten in zahlreichen europäischen Ländern.

Als Kultursubstrat für Pflanzen wurde Blähton in den 1960er Jahren von dem Schweizer Baufachmann und Kaufmann Erhard Baumann (1937-2016) entdeckt. Er entwickelte das erste „Hydrokultur-System“ und vertrieb es unter dem Namen „LUWASA“ (Luft Wasser Sauerstoff) über seine Firma „Interhydro AG“.  Bedeutende Hersteller, die auch speziellen Blähton für den grünen Bereich herstellen, sind derzeit die Firmen: Fibo Exclay/Lamstedt, Liapor/Hallerndorf-Pautzfeld und die belgische Firma Argex.

Ausgangsstoff für die Blähtonproduktion ist Ton. Dieser aus urzeitlichen Sedimenten über Jahrtausende entstandene sogenannte Feuchtton kann in einzelnen Schichten sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein. Durch definierten Abbau ausgewählter Schichten und anschließendem Mischen wird versucht ein möglichst gleichmäßiges Produkt herzustellen. Dies gelingt nur begrenzt, weshalb es Unterschiede von Korn zu Korn und auch zwischen verschiedenen Produktions-Chargen gibt. Aus diesem Grund wird die Qualität des Blähtons intensiv überwacht und auch einer RAL-Gütesicherung unterzogen. Das Herstellungsverfahren von Liaflor unterscheidet sich dabei von dem der Firmen Fibo Exclay und Argex. Bei dem Blähton Liaflor wird der Rohton nach Trocknung vermahlen und dann das Korn neu aufgebaut, wodurch möglicherweise eine bessere Gleichmäßigkeit in der Zusammensetzung von Korn zu Korn erreicht wird. Auch äußerlich sind deutliche Unterschiede erkennbar. Der Blähton von Liapor hat eine auffällig runde Kornform während die Produkte von Fibo Exclay und Argex mehr nierenförmig und ungleichmäßiger sowie von dunklerer Farbe sind. Die runde Form hat den Nachteil, dass die Pflanzen weniger standfest sind, bevor Sie den Blähton durchwurzelt haben. Auch eine kombinierte Anwendung der verschiedenen Blähtone ist in der Praxis möglich, wobei das Liapor Material als Abdeckung genutzt wird.

Gebrochener Blähton entsteht durch nachträgliches Brechen der Blähtonkörner. Dieses unter dem Namen „Lecadan“ angebotene Material wird für sogenannte Semisysteme in Verbindung mit Pflanzen aus herkömmlicher Kultur in organischem Substrat eingesetzt.

 Gütesicherung Blähton
Grundlage der Gütesicherung von Blähton-Produkten sind Grenzwerte, die von FISCHER und PENNINGSFELD (1979) festgelegt wurden. Diese beziehen sich auf den pH-Wert, den Gehalt an löslichen Salzen sowie die Gehalte an CaO, Na2O, Mg, Cl, F und zwar gemessen im Wasserauszug des gemahlenen Materials. Die Erfahrung zeigt aber, dass die untersuchten Parameter nicht in allen Fällen ausreichen, um die Qualität des Blähtons eindeutig zu beschreiben.  

Gewünschte Blähton-Eigenschaften im Wasserauszug des gemahlenen Materials (nach FISCHER und PENNINGSFELD 1979)

pH-Wert                                                      5 - 7

Lösliche Salze (berechnet als KCl)              < 0,25 g/100 g Blähton

CaO                                                             < 120 mg/100 g Blähton

Na2O                                                            <   15 mg/100 g Blähton

Mg                                                               <   15 mg/100 g Blähton

Cl                                                                 <   10 mg/100 g Blähton

F                                                                  <   1,2 mg/100 g Blähton

Für die RAL-Gütesicherung der Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen e.V. wurden weitere Parameter für chemische, physikalische und biologische Eigenschaften von Blähton festgelegt:


Fluoridproblematik
Ton kann natürlicherweise unterschiedliche und teils sehr hohe Mengen an Fluorid enthalten. Für die Verwendung in der Bauindustrie spielt der Fluoridgenalt keine Rolle. Für die Anwendung im gärtnerischen Bereich ist der Fluoridgehalt aber von entscheidender Bedeutung, da Fluorid für bestimmte Pflanzenarten toxisch ist und massive Pflanzenschäden verursacht.


Häufig werden Schäden durch Fluorid-Toxizität als solche nicht erkannt und fälschlich anderen Einflüssen zugeordnet. Problematisch ist zudem, dass die im Blähton enthaltenen Fluorid-Verbindungen sehr gut wasserlöslich sind und offensichtlich auch aus dem Innenbereich des Korns nach und nach herausdiffundieren. Bei der RAL-Gütesicherung durch die Gütegemeinschaft Substrate e.V. wird ein Grenzwert von 5 mg Fluorid pro Liter Blähton zugrunde gelegt. Überschreitet der Blähton diesen Wert, wird das Gütezeichen sofort aberkannt. Gleichzeitig wird für Fluorid-sensitive Pflanzenarten ein Wert von unter 2,5 mg/l empfohlen. Bei der Festlegung von Grenzwerten besteht eine große Unsicherheit, weil diese bisher nie aufgrund von Steigerungsversuchen ermittelt wurden. Es fehlte zudem ein einfacher Biotest mit dessen Hilfe die ermittelten Fluoridgehalte in Blähton hätten verifiziert werden können. Ein solcher Biotest mit Callisia repens konnte nun in Voruntersuchungen entwickelt werden.

In der Literatur werden Fluoridschäden besonders bei Dracaena-Arten (CONOVER und POOLE 1982; POOLE und CONOVER 1974, 1975), an Cordyline terminalis, Dracaena deremensis 'Warneckii' , Dracaena fragrans 'Massangeana', Chamaedorea elegans (HENLEY 1983 an Calthea und Cordyline terminalis beschrieben. Bei Dracaena beginnen die Schäden mit ringförmigen Flecken, die rasch in Nekrosen übergehen und gehäuft im Bereich der Blattränder und -spitzen auftreten. Auch Anthurium und Aglaonema reagieren sehr stark auf Fluorid, während Ficus benjamina Fluorid sehr gut verträgt.

Ein Teil des Fluorids geht beim Brennvorgang verloren, ansonsten hängt der Fluoridgehalt wesentlich vom Gehalt im Ausgangston ab. Aus diesem Grund werden für den sogenannten grünen Bereich Herkünfte und Schichten ausgesucht, die einen möglichst niedrigen Ausgangsgehalt haben. Allerdings gelingt es nicht durch Mischen des granulierten Roh-Tons ein wirklich homogenes Endprodukt zu erzeugen. Dazu müsste der Ton verflüssigt und intensiv vermischt werden. Aus diesem Grund können sich die Fluoridgehalte von Korn zu Korn deutlich unterscheiden.

Wassersteighöhe
Blähton besitzt eine Wassersteighöhe von etwa 10 cm in 24 Stunden. Dadurch ist gewährleistet, dass die Nährlösung aus der Anstauzone beim Wasserstand „Optimum“ in der Regel nicht bis an die Substratoberfläche vordringen kann. In diesem Fall käme es zu einem unerwünschten Ausblühen von Salzen.  Die Wassersteighöhe nimmt mit zunehmender Rauigkeit der Blähtonoberfläche und mit zunehmendem Staubanteil zu. Durch veränderte Zusammensetzung des Rohtons oder verändertem Brennverfahen war es in der Vergangenheit teilweise zu Problemen infolge einer zu hohen Wassersteighöhe gekommen. In Versuchen der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf konnte dieser Zusammenhang eindeutig nachgewiesen werden. Grundsätzlich ließe sich dieses Problem

entscheidend mindern, wenn der Blähton vor der Verwendung gewaschen und die Feinteile ausgespült würden. Diese früher übliche und bewährte Praxis wird leider nur noch von wenigen Raumbegrünern praktiziert. Folgende Abbildung zeigt einen Container in dem Blähton im Betrieb Höfer in Eislingen gewaschen wird.

(30.07.2016

Update: 30.07.2016 15:01:15