Lantana camara L.

Schwefel Ernährung in der Raumbegrünung

In diesem Beitrag geht es um Schwefel (S), der von den Pflanzen überwiegend als Sulfation (SO4 ) aufgenommen wird. Seine Bedeutung als Pflanzennährstoff, die Wirkung eines Mangels, beziehungsweise Überschusses, die fehlenden Hinweise zum Sulfat auf dem Dünger-Etikett, die häufige Unkenntnis bezüglich der benötigten Mengen und bei einem vorliegenden Mangel die Notwendigkeit und Anwendung einer Sulfatdüngung. Sulfat, ein Nährstoff, der zu den sechs Hauptnährstoffen zählt und demzufolge für die Pflanzen lebensnotwendig ist.

Die Pflanzen nehmen das Sulfat über die Wurzeln in ähnlicher Größenordnung auf wie das Phosphat. Teilweise auch in etwas geringeren Mengen. Das Aufnahmevermögen von Schwefeldioxid über die Blätter, wie es im Freiland über die Stomata erfolgt, ist in der Raumbegrünung zu vernachlässigen. In der Pflanze wird der Schwefel in die für die Pflanzen physiologisch wirksame Sulfidform umgewandelt und an Eiweiße gebunden. Da Sulfat auch am Chlorophyllaufbau beteilig t ist, zeigen Schwefelmangel - Pflanzen einen deutlich geringeren Chlorophyllgehalt in den Blättern, die auf hellen und im Extremfall eine einheitlich hellgrüne bis total gelbe Blattfärbung annehmen können.

Diese gelbe Blattfärbung erinnert an einen akuten Stickstoffmangel, ist es aber in diesem Falle nicht. Einen Hinweis auf Sulfatmangel geben bei Gelbfärbung die jüngsten Blätter, während bei Stickstoffmangel zuerst die älteren Blätter diese Aufhellungen zeigen. Die Diagnose auf Stickstoffmangel beziehungsweise Sulfatmangel ist visuell nicht immer einfach zu unterscheiden. Auch die Größe der Pflanzen ist sowohl bei Sulfatmangel als auch bei Stickstoffmangel deutlich reduziert, so dass eine Verwechslung zwischen Stickstoff- und Sulfat - Mangel leicht möglich ist.

Es überrascht nicht, dass die Information über die Schwefeldüngung eine nur geringe Verbreitung findet. Das liegt mitunter auch daran, dass in Industriegebieten den Freilandpflanzen mit dem Regen größere Mengen an Schwefel zugeführt wurden und die Schwefeldüngung nur von untergeordneter Bedeutung war. Durch verschiedene industrielle Umweltmaßnahmen, ist inzwischen der Schwefelgehalt im Regenwasser aber auch der Schwefeldoxidgehalt der Luft stark reduziert. Aus diesem Grund mussten in der Landwirtschaft die Sulfat Düngemaßnahmen erheblich gesteigert werden.

In der Raumbegrünung muss das Sulfat ausschließlich über das Gießwasser oder über den Dünger sichergestellt werden. Die Mengen des benötigten Schwefels liegen bei etwa 50 mg Sulfat je Liter Gießwasser (Abb. 1: Zwei Schritte zur richtigen Düngung). Das ist relativ wenig und doch zeigen sehr viele Versorgungsbetriebe für Trinkwasser noch wesentlich geringere Sulfatmengen an.

Besonders erwähnenswert ist die Wasserversorgung aus Talsperren, die häufig sehr geringe Mengen an Sulfat zeigen.

Dass auf dem Etikett von Düngern keine Sulfatangabe zu finden ist, liegt daran, dass nach dem Düngemittelgesetz neben den Primärnährstoffen Stickstoff, Phosphor und Kalium, die Sekundärnährstoffe Schwefel, Calcium und Magnesium ab einem Gehalt von 5% anzugeben sind. Da jedoch der Sulfatgehalt in den verschiedenen Düngemitteln relativ gering ist und somit weit unter 5% liegt, entfällt die Angabe auf dem Etikett. Daraus jedoch den Rückschluss zu ziehen, dass ein nicht aufgeführter Nährstoff, auch wenn es sich um einen Sekundärnährstoff handelt, für die Pflanze nicht lebensnotwendig ist, unterliegt einem großen Irrtum. Neben dem Sulfat trifft dies auch in gleicher Weise auf die Sekundärnährstoffe Calcium und Magnesium zu (Abb. 2: Flüssigdünger und Abb. 3: Ionenaustauschdünger).


Ohne ausreichende Mengen auch nur von einem dieser drei Sekundärnährstoffen ist kein gesundes Pflanzenwachstum gewährleistet. Für den aufmerksamen Raumbegrüner ergibt sich dadurch ein erhebliches Potential der möglichen Verbesserungen in der Pflanzenernährung und einer Zunahme der Pflanzenqualitäten.

Über Schwefelüberschuss ist relativ wenig bekannt. Ein Überschuss macht sich durch einen höheren Salzgehalt bemerkbar, der im Extremfall durch Salzstress die Pflanzen in einen stark gedrungenen Habitus versetzt und weiteres gesundes Pflanzenwachstum ausschließt. Im Freiland unterliegt der Schwefel ähnlich wie Calcium und Magnesium der Auswaschung durch Regen. Diese Auswaschungsverluste sind in der Raumbegrünung ohne Bedeutung, zumal es sich um geschlossene Gefäße handelt. Hierbei kann ein hoher Sulfatgehalt im Gießwasser zu einer deutlichen Anreicherung in der Nährlösung führen und Salzstress verursachen.

Ausgleichend wirkt dagegen eine hohe Calciumkonzentration in der Nährlösung, die durch Ausfällung von Calciumsulfat (Gips) den Sulfat- Gehalt reduziert. Aufklärung bringt eine Nährlösungsanalyse, die in der Raumbegrünung einen wichtigen Stellenwert einnimmt.

Wie steht es nun mit dem Sulfat- Gehalt im deutschen Trinkwasser? Eine Stichprobe aus 344 Städten und Kreisen ergab in 33% der Fälle eine akute Unterversorgung von weniger als 25mg Sulfat je Liter Trinkwasser. Informationen über den aktuellen Sulfatgehalt entnimmt der Raumbegrüner der Trinkwasseranalyse, die von den Wasserversorgungswerken kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Ist die fehlende Sulfatmenge des Gießwassers nicht als Ausgleich im Dünger enthalten, kann sie über Gips (Calciumsulfat) oder Bittersalz (Magnesiumsulfat) den Pflanzen zur Verfügung gestellt werden.

Bei einer Aufwandmenge von 1 Gramm Gips beziehungsweise 1,5 Gramm Bittersalz auf 10 Liter Gießwasser erhöht sich der Sulfatgehalt um knapp 50 Milligramm Sulfat je Liter und sichert damit eine ausreichende Sulfat Ernährung der Pflanzen.

Mit der zuvor angeführten Aufwandmenge Gips (1 Gramm/10 Liter) wird den Pflanzen auch zusätzlich Calcium in einer Menge von etwa 24 Milligramm je Liter Gießwasser und bei Verwendung von Bittersalz (1,5 Gramm/10 Liter) etwa 15 Milligramm Magnesium je Liter Gießwasser zugeführt. Für welches der beiden Düngemittel sich der Raumbegrüner entscheidet, hängt vom Trinkwassergehalt an Calcium (mindestens 60 Milligramm Calcium je Liter) beziehungsweise an Magnesium (mindestens 15 Milligramm Magnesium je Liter) ab. Gips, auch Stuckgips, gibt es im Baumarkt und Bittersalz im Gartenfachmarkt zu kaufen.

Als Beispiel soll die Kalkulation am Kreis 50 erfolgen: Dieser benötigt im Jahr je nach Standort etwa 130 Liter Nährlösung. Das entspricht für ein ganzes Jahr und einer ausreichenden Sulfaternährung insgesamt 13 Gramm Gips (ca. 2 f lach gehäufte Teelöffel) beziehungsweise 19,5 Gramm Bittersalz (ca. 3 f lach gehäufte Teelöffel). Hierbei wird die Jahresmenge der zwei- beziehungsweise drei f lach gehäuften Teelöffel auf die Blähtonoberfläche gestreut und nach und nach durch die einzelnen Gießvorgänge in Lösung gebracht. Sollte im Gießwasser neben einem Mangel an Sulfat auch ein Calcium und Magnesiummangel vorliegen, so können auch beide vorgegebenen Mengen an Gips und Bittersalz gleichzeitig in einer einjährigen Ration über den Blähton ausgebracht werden. Die Nährlösungsanalyse zeigt eine mögliche Abweichung von den Zielgrößen dieser Elemente an und gibt Aufschluss über ein Zuviel oder ein Zuwenig dieser Nährstoffe. Wie eingangs beim Sulfat erwähnt, zeigen sich die Pflanzen relativ tolerant gegenüber einer erhöhten Menge dieser Sekundärnährstoffe. Deshalb können diese vergleichsweise geringen Mengen an Gips und Bittersalz auch auf einmal für ein ganzes Jahr gegeben werden und machen ein arbeitsaufwendiges Kleinportionieren zu den einzelnen Gießvorgängen überflüssig.

Um sicher zu gehen, ob ein Mangel dieser Sekundärnährstoffe vorliegt, ist es empfehlenswert, wenige Gefäße mit einer Zusatzdüngung zu versehen und im Verlauf eines Jahres einen Vergleich mit den nicht zusätzlich gedüngten Pflanzen zu ziehen. Liegt ein akuter Mangel dieser Sekundärnährstoffe vor, dürfte nach erfolgter Düngung und nach wenigen Wochen ein deutlicher Unterschied in der Pflanzenqualität sichtbar werden.

Update: 29.10.2014 18:43:12