Hoya carnosa (L. f.) R. Br.

Tomaten - Hydrokultur im Kindergarten

In "Hydrokultur intern" Heft 3 vom 20. Oktober 2010 haben wir ausführlich die Kultur von Tomaten in Blähton beschrieben.

Hintergrund war dabei die sinnvolle Nutzung der Wintergartenfläche im Sommerhalbjahr. Das beschriebene Verfahren ist natürlich auch für die Kultur von Tomaten im Außenbereich geeignet. In Betracht kommen dabei Balkone und Terrassen und hier besonders geschützte überdachte Stellen an der Hauswand. Durch die bei der Hydrokultur mögliche Bevorratung mit Nährlösung sind optimales Wachstum und ein hoher Ertrag garantiert. Ist der Standort regengeschützt, hat auch die gefürchtete Krankheit Phytophthora keine Chance, die häufig im Freiland zu einem frühzeitigen Zusammenbrechen der Pflanzen führt.

Diese Vorteile macht man sich auch im Kindergarten "St. Michael" in Stephanshausen, einem Ortsteil von Geisenheim im Rheingau, seit zwei Jahren zunutze. Unter Anleitung einer engagierten Erzieherin gibt es einen kleinen Gartenbereich mit Anbau von Gemüse und Beerenobst. Im Jahr 2009 sollte nun erstmals auch die Tomatenkultur aufgenommen werden. Der Vorschlag die Kultur in Hydrokultur durchzuführen stieß anfänglich sicher auf eine gewisse Skepsis, wurde aber dennoch in Angriff genommen. Der Förderverein des Kindergartens übernahm die Kosten für die Beschaffung der notwendigen Materialien.

Als Kübel erwiesen sich preiswerte schwarze Mörtelkübel aus dem Baumarkt von etwa 30 Liter Inhalt als geeignet. Von Vorteil war, dass der Kindergarten nach Süden ausgerichtet über einen großen Terrassenbereich mit automatisch gesteuerten Markisen als Sonnenschutz verfügte. Hier fand sich eine ideale Möglichkeit jeweils zwischen den Fensterbereichen Kübel mit Tomatenpflanzen aufzustellen und diese an Kordeln nach oben zu leiten. Insgesamt wurden zusammen mit den Kindern vier Kübel mit jeweils zwei Tomaten bepflanzt. Für viele war das sehr spannend, weil sie zuvor mit Hydrokultur und Blähton noch nie etwas zu tun hatten.

Die Anzucht der Pflanzen erfolgte in einem Torfsubstrat im 13 cm Topf. Zunächst wurden die Kübel in 6 cm Höhe seitlich gelocht (etwa 10 mm ø). Dies erleichterte das spätere Gießen wesentlich, da die Kübel stets bis zu dieser Höhe aufgefüllt und eine Überwässerung sicher ausgeschlossen werden konnte. Ein Wasserstandanzeiger ist nicht zwingend erforderlich, wenn an heißen Tagen täglich und an kühlen Sommertagen alle zwei bis drei Tage der Wasserspeicher aufgefüllt wird. Dennoch kann ein zusätzlicher Wasserstandanzeiger hilfreich sein. Er zeigt an, wann auf jeden Fall aufgefüllt werden muss und ermöglicht in Phasen kühler regnerischer Witterung das Einstellen eines niedrigeren Wasserstandes, was den Pflanzen sehr zugute kommt.

Anschließend wurde in die Kübel eine 15 cm dicke Schicht aus Blähton eingefüllt und darauf die Tomatenpflanzen mit den Wurzelballen gestellt. Die Tomaten sollten schon eine Größe von etwa 30-40 cm haben, denn anschließend wird der Kübel mit Blähton bis zum Rand aufgefüllt. Sind die Pflanzen noch kleiner, kann auch später noch Blähton nachgefüllt werden. An der Basis der Pflanzen wurde locker eine starke Kordel befestigt und in etwa 2-3 Meter Höhe fixiert. Um diese Kordel herum wurden die Pflanze im weiteren Verlauf gezogen. Bei zwei Pflanzen pro Kübel ließen sich die Pflanzen V-förmig nach oben leiten. Anschließend wurde mit Nährlösung erstmals gegossen und der Speicher aufgefüllt. Da das Leitungswasser in Stephanshausen wenig Calzium enthält und Tomaten grundsätzlich einen hohen Ca-Bedarf haben, wurde mit der Kombination Kalksalpeter und "Ferty Basisdünger 1" gedüngt.
Bezugsquelle für kleiner Gebinde Planta. Für die beiden 100-fach konzentrierten Stammlösungen wurden zwei Flaschen benötigt.
Als gut geeignet erwiesen sich beispielsweise leere Waschmittelflaschen aus Kunststoff:
- Stammlösung 1 mit 90 g Kalksalpeter pro Liter
- Stammlösung 2 mit 70 g Ferty Basisdünger 1 pro Liter
Von diesen Stammlösungen wurden dann mit einem Messbecher jeweils 100 ml auf eine 10 Liter Gießkanne gegeben, also 1:100 verdünnt. Bei jedem Auffüllen der Gefäße wurde diese Nährlösung verwendet.


Selbstverständlich erzählten die Kinder auch zu Hause von der Aktion und nicht wenige Eltern verfolgten den weiteren Werdegang der Tomatenkultur mit großem Interesse. Die Kultur von Tomaten in Hydrokultur war ein Thema in vielen Gesprächen im Ort. Sie hat inzwischen weitere Nachahmer gefunden.
Wie man anhand der Bilder sehen kann, verlief die Tomatenkultur sehr erfolgreich. Zwar führte die Markise zu einem gewissen Lichtverlust bei Sonneneinstrahlung, dennoch war der Ertrag sehr gut, zumal die Pflanzen bis in den Herbst hinein gesund blieben und beständig Nachschub für die Kindergartenküche lieferten. Bei der Sortenwahl empfiehlt sich eine Mischung aus bei Kindern besonders beliebten Kirschtomaten bis hin zu Fleischtomaten.

Im Folgejahr wurde die Aktion mit gleichem Erfolg wiederholt, wobei nach gründlichem Reinigen mit viel Wasser der alte Blähton wieder verwendet wurde. Ein weiterer Vorteil dieser Kulturweise.

(22.07.2011)
Update: 22.07.2011 00:00:00