Buntnessel

Spurenelemente

© Prof. Dr. Rolf Röber

Mitunter vergessen in der Hydrokultur
Die für die Pflanze notwendigen mineralischen Nährelemente werden in zwei große Gruppen unterteilt, nämlich
  • 1. die Makronährelemente N (Stickstoff), P (Phosphor), K (Kalium), Ca (Kalzium) und Mg (Magnesium) sowie die
  • 2. Spuren- oder Mikronährelemente Fe (Eisen), Mn (Mangan), B (Bor), Zn (Zink), Cu (Kupfer), Mo (Molybdän), Cl (Chlor) und zum Teil auch Na (Natrium), Ni (Nickel) und Si (Silizium).


Die hauptsächlichen Baustoffe der pflanzlichen Substanz bestehen allerdings aus den Elementen C (Kohlenstoff), H (Wasserstoff) und O (Sauerstoff). Die Spurenelemente übernehmen im pflanzlichen Stoffwechsel unterschiedliche, sowie mehr oder weniger spezifische Funktionen. Sie werden nachfolgend anhand von ein paar Beispielen beschrieben.

Das Fe aktiviert Enzyme und ist Bestandteil von solchen, die an Redoxreaktionen beteiligt sind. Hierdurch kann es direkt auf Assimilation (Ferredoxin) und Atmung (Cytochromoxydasen) einwirken. Auch das Mn ist Bestandteil von Redoxsystemen und kann Enzyme aktivieren. Zn gilt als unerlässlich bei der Bildung pflanzeneigener Wuchsstoffe (z.B. â-Indolylessigsäure). Daneben dient es zur Aktivierung von an der Photosynthese beteiligten Enzymen. Letzteres trifft ebenso für das Spurenelement Cu zu. Dem Nährstoff B werden wuchsstoffregulierende Wirkungen nachgesagt. Es hat außerdem entquellende Eigenschaften und dient ähnlich wie das Ca der Zellwandfestigung. Mo ist essentieller Bestandteil der für die Pflanze wichtigen Nitratreduktase. Dem Cl wird im Gegensatz zum B eine quellende Wirkung zugeschrieben. Es ist anzunehmen, dass es in der Photosynthese eine Rolle spielt.

Dem Element Si werden z.B. zellfestigende Eigenschaften nachgesagt (Röber 2008a). Zusätzliche Informationen gehen aus dem Buch „Pflanzenernährung im Gartenbau“ (Röber und Schacht 2008) hervor. Besonders häufig tritt Fe-Mangel an Pflanzen auf, wie das folgende Foto an Hortensien deutlich zeigt.
Interessant für die Praxis der Verwendung der Mikronährstoffe dürften darüber hinaus, einerseits die in den Pflanzen vorhandenen Mengen und notwendigen Gehalte (=Konzentrationen) sein, sowie die mehr oder weniger spezifischen Symptome bei Mangel oder Überschuss und die möglichen Arten der Applikation als Düngemittel.

Mengen und Gehalte
Diese lassen sich in Pflanzen oder Pflanzenteilen seit geraumer Zeit relativ preiswert analysieren. Ihre Werte besitzen in der Hydrokultur besondere Aussagekraft, weil sie den Ernährungszustand der betreffenden Pflanze sicher wiedergeben können. Hinzu kommt, dass die alleinige Analyse von Substrat und/oder Nährlösung diese Sicherheit nicht immer bietet. Aus der folgenden Tabelle gehen einige pauschale Werte für notwendige Gehalte in Blättern hervor. Grundsätzlich können neben den Blättern auch ganze Pflanzen oder Teile davon, wie Spross, Wurzeln, Stängel und Blüten, zur Analyse herangezogen werden. Zusätzlich beeinflussen Pflanzenart und –sorte, Blattalter, Blattexposition und Standortbedingungen den Analysenwert ganz maßgeblich.
Die Proben müssen speziell aufbereitet und im Labor untersucht werden.
Pflanzenspezifische Grenzwerte und weitere besondere Hinweise lassen sich bei Meinken (2008) entnehmen.


Durchschnittliche Gehalte



Symptome von Mangel und Überschuss
Ein allgemeiner Schlüssel zur Bestimmung von Mangel oder Überschuss an mineralischen Nährstoffen findet sich bei Bergmann (1993). Um eine exakte Zuordnung vorzunehmen, empfiehlt Meinken (2008) folgende Fragen zu
beantworten:

  • Sind vorrangig ältere oder jüngere Pflanzenteile betroffen?
  • Sind Pflanzenteile deformiert?
  • Sind die Blätter verfärbt (Aufhellungen = Chlorosen, Absterbeerscheinungen = Nekrosen)?
  • Sind die Verfärbungen auf bestimmte Blattzonen wie Blattränder oder Bereiche zwischen den Blattadern (Interkostalfelder) beschränkt?
  • Sind die Verfärbungen flächig oder musterartig ausgeprägt?
  • Sind die Verfärbungen verstärkt auf der Blattober- oder Blattunterseite zu finden?
  • Sind die Pflanzen durch Welkeerscheinungen gekennzeichnet?


Die visuelle Pflanzendiagnose ist also keinesfalls einfach vorzunehmen. Sie erfordert zudem einen hohen Kenntnisstand und langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet. Experten sollten in Zweifelsfällen der Diagnose auf jeden Fall hinzugezogen werden.

Deutlich wird das an den beiden folgenden Beispielen:
Einerseits ist die Exposition der Blätter von Ausschlag gebender Bedeutung bei der Zuordnung von Mangel- oder


Abb. 1: Posizione


Überschusssymptomen (siehe Abb. 1) und andererseits sind N-Überschusssymptome nicht zwangsläufig auch auf N-Überschuss zurückzuführen (siehe Abb. 2).


Abb. 2: Wirkung von pH-Wert



Anwendung von Düngemitteln zur Versorgung mit Mikronährstoffen
In der Hydrokultur kann die Versorgung mit Mikroelementen sowohl über das Blatt zur kurzfristigen Beseitigung von Mangelerscheinungen und bevorzugt auch über das Wurzelsystem erfolgen.
Besonders häufig wird Fe-Mangel in der Hydrokultur beobachtet, nicht nur hervorgerufen durch zu hohe pH-Werte verbunden mit hohem Kalkgehalt in der Nährlösung, sondern auch infolge Überschuss an Mn oder Zn. Hier ist der Einsatz von entkalktem Wasser, physiologisch saurem Dünger (auf NH4-N-Basis) und /oder hochwertigen stabilen Fe - Chelaten vom Typ EDDHA, z.B. Ferty 72, angesagt.
Zielkonzentrationen einzelner Nährstoffe, insbesondere der Mikronährstoffe, für den Anbau von Hydrokulturpflanzen gehen aus der folgenden Tab. 1 hervor (Brumm und Schenk 2008).


Tab. 1 Zielkonzentration einzelner Nährelemente


Im Objektbereich hingegen sind die nachstehenden Konzentrationen in der Nährlösung (siehe Tab. 2) anzustreben (Molitor 1992). Diese Werte sind u.a. deshalb geringer, als während der Produktion, weil im Objektbereich keine so großen Zuwächse erwartet werden.


Tab. 2 Richtwerte für optimale Nährelementegehalte


Die Anwendung von Mikronährstoffdüngemitteln in der Hydrokultur ist über das Wurzelsystem v.a. deshalb zu bevorzugen, weil bei unsachgemäßer Ausbringung über die Blätter leicht Verbrennungen an den Blatträndern auftreten können.
Die regelmäßige Ausbringung aller Nährstoffe mit Hilfe eines Mehrnährstoffdüngers, der auch ausreichende Mengen an Mikronährstoffen in leicht verfügbarer und stabiler Form enthält, wie z.B. Ferty 9 Hydro zumeist mit 0,5 bis 1,0 g je Liter Wasser, verdient hier den Vorzug vor den in der Produktion v.a. aus wirtschaftlichen Gründen teilweise eingesetzten Einzelnährstoffdüngern.

Literatur
Bergmann, W. (1993): Ernährungsstörungen bei Kulturpflanzen – Entstehung, visuelle und analytische Diagnose. 3. Aufl., Fischer Verlag Jena/Stuttgart
Brumm, I. und M. K. Schenk (2008): Erdelose Kulturverfahren (in: Röber, R. und H. Schacht (2008), s.u.).
Jungk, A., B. Malaheb und J. Wehrmann (1970): Molybdänmangel an Poinsettien, eine Ursache von Blattschäden. Gartenwelt 17: 2, S. 31-35
Meinken, E. (2008a): Visuelle Pflanzendiagnose (Symptomatologie) (in: Röber, R. und H. Schacht (2008), s.u.).
Meinken, E. (2008b): Pflanzenanalyse (in: Röber, R. und H. Schacht (2008), s.u.).
Molitor, H.-D. (1992): Ernährung von Hydrokulturen im Objektbereich. In: Hydrokultur in der Innenraumbegrünung. Taspo-Praxis Nr. 20, Thalacker Verlag, Braunschweig
Rampinini, G. und E. Gross (2002): La poinsettia – Tecnica di coltivazione e patologia. 2a Parte, Clamer informa, Arese, Bergamo, Italien
Röber, R. (2008a): Nährelemente (in: Röber, R. und H. Schacht (2008), s.u.).
Röber, R. (2008b): Microelements.
Vorlesungsmanuskript, Universität Lomas
de Zamora, Buenos Aires, Argentinien, 11-2008
Röber, R. und H. Schacht (ed., 2008): Pflanzenernährung im Gartenbau.
4. Aufl., Verlag E. Ulmer, Stuttgart

(16.10.2009)
Update: 04.11.2011 00:00:00