Hoya carnosa (L. f.) R. Br.

Schokoladenflecken

© Dr. Heinz-Dieter Molitor

Einfluss des Kulturtopfes und der Anstauhöhe auf Wachstum und Blattschäden bei Dracaena deremensis 'Janet Craig'

An Dracaena deremensis treten häufig nekrotische Blattflecken auf, die das Aussehen der Pflanzen erheblich beeinträchtigen können. Besonders betroffen ist die Sorte 'Janet Craig'.
Die meist als "unspezifische Blattflecken" oder als "Schokoflecken" bezeichneten Schäden sind gekennzeichnet durch unregelmäßig verteilte Nekrosen meist im Bereich der Blattränder mit einer hellen Übergangszone zum nicht geschädigten Blattgewebe (Abb. 1-3).



Sie unterscheiden sich damit deutlich von Blattschäden infolge Fluor-Toxizität oder Überdüngung. Der Verdacht auf Bor-Toxizität oder Ca-Mangel bestätigte sich in Versuchen nicht (KOHLRAUSCH und RÖBER 2003, 2005). Trotz umfangreicher Untersuchungen auch in den USA bleiben die Schäden rätselhaft. Meist werden klimatische Ursachen vermutet, wie beispielsweise hohe Temperaturen bei niedriger Luftfeuchte.

So wird für die gärtnerische Produktion als Vorbeugung ausreichendes Schattieren in Verbindung mit Besprühen der Pflanzen empfohlen. Beides stellt jedoch keine Lösung für den Bereich der Innenraumbegrünung dar. In einem Versuch der Forschungsanstalt Geisenheim wurde der Frage nachgegangen, ob möglicherweise Störungen im Wurzelbereich für die beschriebenen Probleme verantwortlich sein könnten. Dazu wurde Dracaena deremensis 'Janet Craig' zunächst in unterschiedlich großen Kulturtöpfen in Blähton getopft und über einen Zeitraum von 5 Wochen vorkultiviert. Bei den Kulturtöpfen handelte es sich einerseits um Standardtöpfe mit 5 mm breiten und von unten in 10 bis 50 mm Höhe angesetzten Seitenschlitzen, sowie im Vergleich dazu ein 15/19 cm Topf bei dem die Seitenschlitze auf 10 mm verbreitert und bis 125 mm Höhe verlängert wurden.

Nach dem Einwurzeln wurden die Pflanzen praxisüblich mit Kulturtopf in Hydrogefäße eingestellt und diese mit Blähton aufgefüllt. Der Nährlösungsstand wurde auf konstant 2 cm mittels "Dr. Blaicher-Drehtank" eingestellt, praxisüblich wechselnd zwischen Optimum und Minimum (5 bis 1,5 cm) oder zwischen Maximum und Minimum (6,6 bis 1,5 cm). Weitere Details der Versuchsbedingungen sind der Übersicht zu entnehmen.

Versuchsbedingungen
Versuchspflanzen: Dracaena deremensis 'Janet Craig' jeweils 2 Pflanzen pro Topf
Substrat: Blähton 8/16 von Fibo Exclay
Gefäße: 70 x 70 x 20 cm bestückt mit jeweils 6 Töpfen
Temperatur: 20 °C Tag; 16 °C Nacht, Lüftung: 22 °C;
Schatten: 30.000 Lux
Ernährung: 0,35 g/l "Ferty Basisdünger 1" + 0,45 g/l Kalksalpeter
bzw. 0,2 g/l Ammoniumnitrat, abhängig vom pH-Verlauf
Gießwasser: Leitungswasser (680 µS; 4,8 mmol/l SBV; 94 mg/l Ca;
18 mg/l Mg; 17 mg/l Na; 36 mg/l Cl; 73 mg/l SO4)
Versuchsbeginn: 14. Juli 2006
Versuchsende: 10. Juli 2007

Pflanzenwachstum
Kulturtopf und Anstauhöhe wirkten sich deutlich auf das Sprosswachstum aus. So nahm das Frischgewicht der Pflanzen signifikant mit zunehmender Topfgröße zu
(Abb. 4). Das beste Ergebnis wurde mit dem durch größere Seitenöffnungen optimierten 15/19 cm Topf erzielt. Auch die Anstauhöhe beeinflusste das Wachstum der Pflanzen, wobei die Wuchsleistung mit zunehmender Anstauhöhe abnahm.


Wurzelwachstum
Bei der Wurzelbildung zeigten sich nach einem Jahr Standzeit der Gefäße ebenfalls deutliche Unterschiede (Abb. 5). So gelang es den Pflanzen in den Standard- Kulturtöpfen nicht, aus den tief angesetzten und zumindest zeitweise überfluteten Seitenschlitzen herauszuwurzeln. In der Not wurden teilweise Wurzeln über den Topfrand hinaus gebildet, durch die das umgebende Blähtongranulat partiell durchwurzelt wurde. Bei dauerhaft niedrigem Wasserstand von 2 cm gelang es hingegen den Pflanzen bereits besser, sich das umgebende Substrat mit Wurzeln zu erschließen. Besonders auffällig war allerdings die unabhängig von der Anstauhöhe intensive Wurzelbildung bei dem optimierten 15/19er Topf.

Blattflecken
Nach etwa 14 Wochen Kulturzeit wiesen am 2.11.2006 nahezu alle Pflanzen zumindest leichte Blattschäden in Form von ‚Schokoflecken’ auf. Es war zudem bereits eine deutliche Tendenz in Abhängigkeit von der Topfgröße erkennbar, wonach die Schäden mit zunehmender Größe des Kulturtopfes zunahmen. Die meisten Schokoflecken wiesen die Pflanzen im optimierten Kulturtopf auf. Diese Tendenz bestätigte sich im weiteren Verlauf, so dass am 16.01.2007 und schließlich zu Versuchsende am 10.07.2007 signifikante Unterschiede nachweisbar waren (Abb. 6).
Bei der Endauswertung zeigte sich ein eindeutiger Einfluss der Größe des Kulturtopfes auf die Gesamtzahl der geschädigten Blätter einer Pflanze (Abb. 7).
(bilder|2177|2176]
Unter Berücksichtigung der gleichfalls gestiegenen Wuchsleistung hat der Anteil geschädigter Blätter sogar überproportional zugenommen. Die Anstauhöhe hatte hingegen keinen Einfluss auf das Auftreten von Blattflecken.


Pflanzenanalysen
Die Nährstoffgehalte in der Pflanzentrockensubstanz nekrotischer Flecken, im Vergleich zu Blattproben aus gegenüber liegenden nicht betroffenen Blattzonen, ergaben bei den Makronährstoffen und den Spurenelementen keine auffälligen Unterschiede. Lediglich beim Ca-Gehalt war der Wert mit 2,57 % in der Trockensubstanz im Vergleich zu 3,41 % in dem nicht betroffenen Blattgewebe etwas niedriger. Von der Größenordnung her sollte dies dennoch eine ausreichende Versorgung mit Ca darstellen; völlig auszuschließen ist ein physiologischer Ca-Mangel als Ursache jedoch nicht.



Schlussfolgerungen
Die Arbeitshypothese, wonach ungünstige Wachstumsbedingungen im Wurzelbereich Einfluss auf das Auftreten von Blattschäden an Dracaena deremensis haben, bestätigte sich in der vorliegenden Untersuchung nicht. Zwar wirkten sich die Größe des Kulturtopfes und hier insbesondere größere Öffnungen in den Seitenwänden in einem deutlich verbesserten Wurzel- und Sprosswachstum aus. Das bessere Wachstum führte allerdings auch zu einem verstärkten
Auftreten von Blattflecken. Es gibt somit eine enge Beziehung zwischen dem Wachstum der Pflanzen und dem Auftreten der so genannten "Schokoflecken".

Auf den ersten Blick ist dieses Ergebnis überraschend. Es deckt sich aber mit der praktischen Erfahrung, dass an lichtarmen, wenig wüchsigen Standorten Blattflecken bei dieser Sorte kaum vorkommen. Dies unterstützt die These, dass vermutlich Wechselwirkungen im Bereich Licht und Luftfeuchte dafür ausschlaggebend sind.
Die so genannten Schokoflecken sind ein spezifisches Problem einzelner Dracaena- Sorten, wie Dracaena deremensis 'Janet Craig' oder auch Dracaena deremensis 'Warneckii'. Die ebenfalls im Versuch mit einbezogene Sorte Dracaena deremensis 'Lemon', deren Ergebnisse hier nicht dargestellt wurden, zeigte bei gleicher Behandlung nur vereinzelt Blattflecken. Die Reaktion im Spross- und Wurzelwachstum war vergleichbar mit den dargestellten Ergebnissen von Dracaena deremensis 'Janet Craig'.
Literatur: Kohlrausch, F.; Röber, R. (2003): Borsteigerung bei Dracaena.
DeGa 57(32); 30-31
Kohlrausch, F.; Röber, R. (2005): Einfluss der Ca-Versorgung auf die Ausbildung
von Blattflecken bei Dracaena deremensis.
Gartenbaureport 31(4); 25-26(HDM)

(23.12.2008)

Update: 11.01.2013 14:17:23