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Warum sind Citrus-Pflanzen chlorotisch?

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Bonitur von 47 Citruspflanzen eines Überwinterungsservices: März 2006



Ergebnisse einer Erhebungsuntersuchung Dr. Heinz-Dieter Molitor, 2. Vizepräsident der DGHK • Fachgebiet Zierpflanzenbau, Forschungsanstalt Geisenheim

Citrus sind als Kübelpflanzen sehr populär und erfreuen sich immer noch steigender Beliebtheit. In deutlichem Gegensatz dazu steht häufig das Aussehen der Pflanzen beim Endkunden: mehr oder weniger starke Chlorosen, Blattfall und massiver Befall mit Problemschädlingen können die Freude an diesen schönen Pflanzen eintrüben. Um einen Überblick über die aktuelle Situation zu erhalten und um Hinweise über mögliche Ursachen zu erhalten, wurde vom Fachgebiet Zierpflanzenbau der Forschungsanstalt Geisenheim eine Erhebungsuntersuchung in einem Betrieb durchgeführt, der einen Service zum Überwintern von Kübelpflanzen betreibt. Es standen 47 Citruspflanzen unterschiedlicher Arten von nahezu ebenso vielen Kunden zur Verfügung.


Bei der im Frühjahr 2006 durchgeführten Untersuchung wurde das Aussehen der Pflanzen bonitiert und per Bild festgehalten. Zusätzlich wurden Blattproben der zuletzt ausgewachsenen Blätter entnommen und der Nährstoffgehalt in der Trockensubstanz gemessen. Weiterhin wurden Substratproben entnommen, die Substratart bestimmt, sowie pH-Wert, Salz- und Nährstoffgehalt gemessen. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt Zusammenfassen:

Blattfärbung
Nur etwa ein Drittel der Pflanzen befriedigten durch eine dunkelgrüne Blattfarbe (Tab. 1; Abb.1).
Alle anderen Pflanzen wiesen mehr oder weniger starke Chlorosen auf (Abb. 2-4). In 9 % der Fälle hatten die Pflanzen alle Blätter abgeworfen (Abb. 4).





Nährstoffgehalte im Substrat
Im Mittel lagen die Nährstoffgehalte im Substrat eher im niedrigen Bereich (Tab. 2).
Vereinzelt waren die Pflanzen jedoch deutlich überversorgt, was auch durch entsprechend hohe Salzgehalte zum Ausdruck kam. Auffällig sind die durchweg hohen Phosphatgehalte.
Die pH-Werte lagen hingegen eher in einem niedrigen Bereich und nicht höher als 7.0.





Nährstoffgehalte in den Blättern
Bei 33 Pflanzen war eine Blattanalyse möglich. Dabei fällt die hohe Streubreite bei allen Nährelementen auf, wobei die Gehalte im Mittel eher als niedrig einzustufen sind. Das wird besonders deutlich bei den Spurenelementen.
Auffällig ist auch der vergleichsweise niedrige P-Gehalt, obwohl die Substratanalyse eine eher hohe Versorgung ergab. Phosphor wird von Citrus offensichtlich in sehr viel niedrigerer Menge aufgenommen, als er angeboten wird. Bemerkenswert ist auch der recht hohe Ca-Gehalt, der klar auf einen hohen Bedarf von Citrus hinweist.




Substratart
Die meisten Pflanzen waren in ein Torf/Sand Gemisch gepflanzt, 13 % sogar in reinem Torf und bis auf vier Pflanzen alle übrigen in Torf mit entsprechenden mineralischen Zuschlagstoffen. Vier Pflanzen standen in Lehmboden, so wie es im Mittelmeerraum und bei der dortigen Anzucht der Pflanzen üblich ist.

Ergebnis und Schlussfolgerungen
Trotz umfangreicher Untersuchungen und der Erfassung vieler relevanter Parameter ließ sich keine eindeutige Beziehung zwischen einzelnen Messdaten und dem Aussehen der Pflanzen herstellen. Dies überrascht, weil die Messwerte teilweise eindeutig negative Bedingungen anzeigten, oder im „grünen Bereich lagen”, die Pflanzen aber dennoch Chlorosen aufwiesen.

Dafür kommen eine Reihe von Gründen als Erklärung in Betracht: - Bei Citruspflanzen handelt es sich um Gehölze, die erfahrungsgemäß lange Zeit benötigen, bis Reaktionen sichtbar werden. Dies erschwert die Diagnose von Schäden und die Interpretation der Ergebnisse von Boden- und Pflanzenanalysen erheblich. - Zusätzlich gibt es eine Reihe von Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Parametern, die das Ganze noch erschweren. So trägt das meist viel zu hohe Phosphatangebot zu einer Festlegung von Eisen, Mangan und Zink bei. Die bei Citrus häufig übliche Gegenmaßnahme durch zusätzliche Eisendüngung kann wieder zu einem induzierten Manganmangel beitragen.

- Der pH-Wert, bei dem meist der Grund für das Auftreten von Chlorosen gesucht wird, scheint aufgrund der vorliegenden Untersuchung keine nennenswerte Bedeutung zu haben. Eher schon Ca-Mangel, weil für Citrus irrigerweise Regenwasser oder weiche Wässer zum Gießen empfohlen werden. Ergebnisse von Düngungsversuchen, über die bereits berichtet wurden, und die vorliegenden Zahlen der Erhebungsuntersuchung bestätigen einen hohen Ca- Bedarf von Citrus. Allerdings kann ein Überschuss an Ca die bekannten Mg-Mangelsymptome an älteren Blättern verursachen (Abb. 3).

- Chlorosen können auch eine Folge zu niedriger Substrattemperaturen sein, was besonders während der Überwinterung und im Frühjahr der Fall sein kann, wenn durch Einstrahlung die Lufttemperatur deutlich ansteigt und die Substrattemperatur bei Werten unter 12 °C verharrt.

- Staunässe und dadurch verursachter Sauerstoffmangel im Wurzelbereich ist ein weiterer Faktor, der Chlorosen verursacht. In diesem Zusammenhang müssen die überwiegend angetroffenen torfhaltigen Substrate sehr kritisch gesehen werden. Nachweislich sehr gute Ergebnisse lassen sich in torffreien mineralischen Substraten erzielen, wie beispielsweise in Seramis. Ähnliche Ergebnisse dürften sich auch in Mineralgemischen erzielen lassen, die aus Bims, Lava oder Zeolithen bestehen, sofern keine Feinteile kleiner als etwa 2 mm enthalten sind.

- Zu guter Letzt werden Chlorosen auch durch Wurzelkrankheiten, wie beispielsweise durch den Pilz Thielaviopsis verursacht (Abb. 5).
In diesem Fall ist jegliche Gegenmaßnahme vergeblich. Trotz vielfacher Bemühungen, es bleibt dabei:
Citruspflanzen sind eine schwierige Kultur.