Artikel-ID: 1269

Stecklings-Vermehrung

Die vegetative Vermehrungs-Methode

Als Stecklinge (auch Stopfer, Steckreis, Steckhölzer) werden die im Unterschied zum natürlichen Trieb (Ableger) zur künstlichen vegetativen Vermehrung (das Klonen von Kulturpflanzen) geschnittenen Sprossteile von Pflanzen bezeichnet.

Es ist ein beblätterter, halbreifer oder junger Zweig einer Pflanze, den man in ein Anzuchtsubstrat steckt, damit er eigene Wurzeln bildet und sich dann zu einer neuen, selbständigen Pflanze entwickelt.
Diese vegetative Methode hat den Vorteil, dass dabei die Nachkommen immer mit der Mutterpflanze identisch sind, während sie sich bei der generativen Vermehrung durch Samen in Wuchs und Farbe oft aufspalten.
 

Wie bewurzeln sich Stecklinge?
Dass Stecklingsvermehrung so einfach ist, beruht auf der erstaunlichen Regenerationsfähigkeit der Pflanzen. Nahezu alle stengelbildenden Pflanzen können unter geeigneten Bedingungen aus dem Kambium, dem Bildungsgewebe unter der Rinde, Wurzeln bilden. Am besten bewurzeln sich Triebe dicht unterhalb eines Blattknotens, da hier größere Mengen Reservenährstoffe vorhanden sind. üblicherweise wird also an einer bestimmten Stelle der Trieb vorsichtig abgeschnitten und in ein geeignetes Substrat gesteckt. Je nach Pflanzenart kann er sich dann im Laufe von 10 bis 30 Tagen bewurzeln.

Schutz vor Verdunstung Stecklinge haben zunächst keine Wurzeln und können Wasser nicht oder nur in ungenügender Menge aufnehmen. Deshalb muss man darauf achten, dass die Verdunstung auf ein Minimum beschränkt wird. Daher bewurzelt man Stecklinge meistens unter Glas oder Plastikfolie. Gärtner bringen sie in den Gewächshäusern auch unter feinen Sprühnebel. Da die Lebensfunktionen der Stecklinge unverändert weitergehen, sollen sie zwar hell, jedoch nicht in der Sonne stehen. Die noch weichen Stecklinge können in Fäulnis übergehen. Deshalb sollte man ein steriles Substrat nehmen und auch für genügend Sauerstoff sorgen. Erwerbsgärtner gießen ihre Vermehrungsflächen oft vor dem Stecken zur Desinfektion mit einem chemischen Mittel.

Bodenwärme ist meistens notwendig.
Fast immer verläuft die Wurzelbildung schneller, wenn das Substrat nicht zu kalt ist. Für die meisten Gewächse sind Temperaturen zwischen 20 und 30°C am günstigsten. Die Bewurzelung kann oft auch beschleunigt werden, wenn man den Steckling vor dem Stecken mit der Schnittfläche in ein Bewurzelungshormon taucht, das im Handel erhältlich ist.



Bewurzelungssubstrat
Stecklinge, die ein besonders luftdurchlässiges Substrat brauchen, kann man in reinen Sand, Perlite oder ein Gemisch aus Torf, Sand und reichlich Perlite Anzuchtsubstrat stecken, Pflanzenliebhaber bewurzeln gelegentlich Stecklinge auch in einem Fläschchen mit Wasser. Dann soll die Schnittfläche einige Millimeter tief in das Wasser hineintauchen, ist aber problematisch, da beim Pikieren oder Eintopfen die zarten Würzelchen leicht verletzt oder beschädigt werden.
Während des Bewurzelungsvorgangs muss das Vermehrungssubstrat gleichmäßig feucht gehalten, Staunässe aber vermieden werden.
 


Abhärten und Eintopfen
Sobald sich Wurzeln gebildet haben, beginnen die Stecklinge auch zu wachsen. Dann kann man sie allmählich abhärten, d.h. die Luftfeuchtigkeit etwas verringern und die Jungpflanzen mehr und mehr an die Außenluft gewöhnen, also die Glas- oder Plastikabdeckung von Tag zu Tag mehr "öffnen" bzw. lüften. Später wird die Abdeckung ganz abgenommen; die Jungpflanzen werden entweder in Handkistchen pikiert oder gleich in kleine Töpfe gesetzt und noch einige Tage an geschützter Stelle aufgestellt, bis die Wurzelneubildung begonnen hat. Erst dann können die Pflanzen normal weiterkultiviert werden.

Kopfstecklinge oder Trieb-Stecklinge?
Ein Kopfsteckling, die meist 5 bis 7 cm lange, mit mehreren Blättern besetzte Triebspitze einer Pflanze, wird nach Möglichkeit dicht unter einem Blattknoten geschnitten und von den untersten Blättchen befreit. Bei einem Trieb- oder Stammsteckling wird ebenfalls ein Stück des Triebs verwendet, der jedoch keine Triebspitze besitzt. Er bildet Wurzeln und treibt danach aus den schlafenden Augen der Blattachseln.





Augenstecklinge, Blattstecklinge, Stammstücke und Wurzelstecklinge
Augenstecklinge sind Triebstecklinge, bei denen meistens ein Stengelstück mit nur einem Blatt und einem schlafenden Auge verwendet wird. Man schneidet sie gern bei großblättrigen Pflanzen, beispielsweise beim Gummibaum (Ficus).
Nach dem Schnitt rollt man das Blatt meistens ein, um die Verdunstung zu verringern, und hält es mit einem Gummiring zusammen, dann wird gesteckt.
Nach einiger Zeit bilden sich Wurzeln, das schlafende Auge in der Blattachsel treibt aus.

Manchmal genügt es schon, ein Blatt mit einem Stückchen Blattstängel zu stecken. Bei einigen Blattbegonien bewurzeln sich bereits Blatteile von einem Quadratzentimeter Größe, wenn man sie flach auf das Substrat legt. Die Blätter von Streptocarpus werden am Mittelnerv geteilt und waagrecht gesteckt. Entlang dem durchtrennten Nerv bilden sich Wurzeln und neue Pflänzchen. Die Blättchen einiger Sedum-Arten (Fetthenne, Mauerpfeffer) bewurzeln sich, wenn sie auf die Topferde fallen.

Stammstücke mit einem oder mehreren Augen können sich bewurzeln, wenn man sie in feuchtes, warmes Substrat legt. Dies gelingt z. B. bei Dracaena- und Yucca-Arten.

Manche Wurzeln können aus Augen neue Triebe bilden. Solche Wurzeln schneidet man in Stücke und legt sie in ein feuchtes, relativ warmes Substrat.

(23.04.2010)